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Buchmessen-Nachlese

Die Frankfurter Buchmesse war in diesem Jahr ganz anders – schön und erschreckend zugleich –, weshalb es erstmals einen kleinen Nach-Messe-Bericht gibt:

Lesungsankündigung im Odradek in Chemnitz

Erst einmal das Schönste: Die Lektorin hatte die angenehmste Reisebegleitung und die besten Gastgeber, die man sich denken kann. Schön, wenn Autorinnen und Autoren sie auch nach der gemeinsamen Zusammenarbeit noch mögen … Danke, liebe Manja, lieber Markus, für alles!

Auf dem Hinweg gab es dann auch einen kurzen Zwischenstopp für die Lesung von Manja Präkels aus „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ in Chemnitz. (Mit dem Buch hat die Lektorin übrigens nur ganz am Rande was zu tun, sie kann es also allen guten Gewissens sehr ans Herz legen.)

Ebenfalls wundervoll waren die beiden in Zusammenarbeit mit dem Verbrecher Verlag gestalteten Lesungsabende im Knobbe (SIKS e. V.) – es ist unendlich traurig, dass es diesen Ort im nächsten Jahr nicht mehr geben wird …

Die Bücher, die die Lektorin betreut hat, fanden sich in diesem Jahr verteilt auf verschiedene Stände in Halle 4.1. Sie gleichsam in mehreren kleinen – oder größeren – Rudeln in „freier Wildbahn“ anzutreffen, war etwas ganz Besonderes.

In der Galerie hat sie die Sichtungen dokumentiert:

Überhaupt nicht schön: Die Präsenz der rechten Verlage auf der Messe und deren sehr gezielte Provokationen. Sollte die Buchmesse sich entscheiden, ihnen im nächsten Jahr erneut eine solche Bühne zu bieten, wird sich jede*r (Verlage, Bloger*innen, Besucher*innen) von uns überlegen müssen, wie sie*er damit umgeht/umgehen kann/umgehen sollte.

So lange bleibt: #gegenrechts! Am besten gemeinsam!

Vicenzo Latronico, Die Verschwörung der Tauben

Die Lektorin freut sich sehr über die neue Zusammenarbeit mit dem Secession Verlag für Literatur. Sie durfte die Übersetzung dieses bereits mehrfach preisgekrönten Romans Korrektur lesen:

Cover LatronicoVincenzo Latronico
Die Verschwörung der Tauben
Roman
aus dem Italienischen übersetzt von Klaudia Ruschkowski
Gebunden ohne Schutzumschlag
336 Seiten
24 €

Wir kämpfen mit aller Kraft um Erfolg, Geld und Glück. Was aber tun, wenn das Talent nicht ausreicht und Fair Play zu nichts führt? Wie viele Niederlagen sind nötig, bis sich eine Taube in einen Falken verwandelt?

Die Verschwörung der Tauben erzählt die Geschichte einer solchen Verwandlung. Alfredo Cannella ist der Sohn eines reichen venezianischen Unternehmers, Donka Berati ein mittelloser Albaner, der mit einem Stipendium im selben Jahrgang wie Alfredo an der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi studiert. Beide sind brillant, ambitioniert, entschieden, sich zu nehmen, was sie glauben zu verdienen. Zwischen ihnen erwächst eine Freundschaft, die sie auf ihren zunächst parallelen, dann immer häufiger auch kollidierenden Werdegängen begleitet, die gespickt sind mit Finanzspekulationen, kleinen Betrügereien und großen Immobilienprojekten.

Beide gehen ihre Karriere wie einen Wettstreit an: Alfredo, um seinem Vater zu zeigen, wie er sich irrt, den Sohn für unfähig und verwöhnt zu halten, Donka, um gegen ein scheinbar vorgezeichnetes Schicksal anzugehen. Doch aus einem unfairen Wettstreit geht derjenige als Sieger hervor, der die wenigsten Skrupel hat.

Vor dem Hintergrund eines aus wirtschaftlichen Gründen vereinten Europas und in einem von tiefgreifenden urbanen Transformationen gezeichneten Mailand erzählt Vincenzo Latronico überzeugend und mit Verve von Leidenschaften. Er berührt dabei ein moralisches Problem im Herzen unserer Gesellschaft: die Gründe, Ausflüchte und Entschuldigungen, mit denen wir denjenigen verraten, der uns vertraut.

Ausgezeichnet mit dem Premio Bergamo 2012 und dem Premio Napoli 2012!

Vincenzo Latronico, geb. 1984 in Rom, studierte bei Paolo Valore in Mailand Philosophie, er übersetzte Werke von P. G. Wodehouse, Hanif Kureishi, Francis Scott Fitzgerald und anderen. 2008 erschien sein erster Roman, „Ginnastica e Rivoluzione“, 2009 folgte „La cospirazione delle colombe“ sowie weitere Veröffentlichungen, darunter Texte für das Theater, zuletzt der Roman „La mentalità dell’alveare“. „Die Verschwörung der Tauben“ ist Latronicos erster Roman in deutscher Übersetzung.

Die schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung. 1933–1945

Ab dem 21. November 2015 ist in Berlin die Ausstellung »Die schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung. 1933–1945« zu sehen. Die Lektorin hat den spannenden und wunderschönen Katalog lektoriert.

Die Schwarzen Jahre

Das Cover zeigt Karl Hofers Gemälde „Die schwarzen Zimmer“

Die schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung. 1933–1945
Für die Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, hrsg. v. Dieter Scholz und Maria Obenaus
Broschur, 288 Seiten, zahlreiche vierfarbige Abbildungen
Preis: 25,00 €
ISBN: 9-783-95732-150-3

Unter dem Titel »Die schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung. 1933–1945« werden Kunstwerke der Nationalgalerie, die entweder in diesem Zeitraum entstanden, damals in die Sammlung kamen oder aber durch die Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden, gezeigt und umfangreich kommentiert.

Es geht ebenso um Hauptwerke von Pablo Picasso, Lyonel Feininger, Otto Dix, Käthe Kollwitz, Rudolf Belling oder Ernst Ludwig Kirchner wie um neu in die Sammlung gekommene Stücke sowie Arbeiten, die seit über 75 Jahren nicht mehr ausgestellt waren. Aus den Geschichten der einzelnen Objekte ergibt sich so ein vielgestaltiger Blick auf Kunst, Politik und Museumsgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus.

Die ausgewählten Objekte sind so unterschiedlich wie die Lebenswege der Künstler und die Schicksale ihrer Werke: hier die Propagierung als »nationale« Kunst, dort die Diffamierung als »entartet«. Künstler wurden verfolgt und zur Emigration gezwungen, manche durften nicht mehr ausstellen, andere konnten durch staatliche Aufträge ihre Karriere voranbringen. Dabei waren die Grenzen oft fließend, Entscheidungen manchmal widersprüchlich.

Im Prolog wird ein Bildertausch mit dem faschistischen Italien unter Mussolini dokumentiert, durch den 1932/1933 fünfzehn Gemälde italienischer Künstler wie Giorgio de Chirico, Carlo Carrà oder Mario Sironi in die Nationalgalerie kamen.

Mit einem Vorwort von Udo Kittelmann und Beiträgen von Larissa Agel, Anja Herrmann, Joachim Jäger, Jan May, Maria Obenaus, Dieter Scholz, Aya Soika, Christina Thomson und Kyllikki Zacharias.

Die Ausstellung »Die schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung. 1933–1945« ist bis zum 31. Juli 2016 in der Neuen Galerie im Hamburger Bahnhof Berlin – Museum für Gegenwart zu sehen.

Um die Sammlung der Nationalgalerie zur Klassischen Moderne auch während der Sanierung des Mies-van-der-Rohe-Baus präsent zu halten, eröffnet im November 2015 ein eigens dafür eingerichteter Ausstellungsraum im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin: die „Neue Galerie“. Dort werden bis zur Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie im halbjährlichen Rhythmus wechselnde Präsentationen zur Kunst der Moderne zu sehen sein.

Die für „Die schwarzen Jahre“ entwickelte Ausstellungsarchitektur ist inspiriert von der verwinkelten Raumsituation mit Wandscheiben und Durchblicken in Karl Hofers Gemälde „Die schwarzen Zimmer“, dessen zweite Fassung 1943 gemalt wurde.

Weitere Informationen unter: http://www.smb.museum/ausstellungen/detail/neue-galerie-die-schwarzen-jahre.html