Über Selbstständigkeit und Textarbeit

Hier erkläre ich, warum ich auf meiner Website auf der Unterseite „Honorar“ keine festen Preisangaben mache und dies in der Regel auch sonst vermeide, wenn ich ein Projekt nicht kenne.

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Als selbstständige Lektorin muss ich bei der Kalkulation meiner Stundensätze und Normseitenpreise auch diejenigen Kosten im Auge haben, die nicht direkt an ein Projekt gebunden sind: Urlaub, Krankheit, Feiertage, Leerlaufzeiten bei schlechter Auftragslage oder wegen Verzögerungen bei Auftraggebern oder weiteren Dienstleistern wie Setzern oder Grafikern, Zeiten und Kosten für Akquise und administrative Aufgaben wie Angebots- oder Rechnungserstellung, Pflege dieser Website, Büroausstattung und -material, Bürokosten, Steuern, Versicherungen …

Ich habe all dies im Blick, kann und will aber dennoch keine Mindest- oder Höchstsätze für den Normseitenpreis nennen. Denn es gilt: Textarbeit ist keine mechanische Tätigkeit.

Je nach Textqualität und Leistungsumfang geht man davon aus, dass ein Lektor/eine Lektorin etwa zehn Normseiten pro Stunde bearbeiten kann, allerdings können es bei anspruchsvolleren Aufgaben, die zum Beispiel umfangreiche Nachrecherchen oder das Umschreiben von ganzen Passagen erfordern, auch mal nur zwei Seiten sein. Manchmal reichen zwei Durchgänge durch einen Text (einfaches Korrektorat bei guter Textqualität inklusive der Einarbeitung der Korrekturen), manchmal sind deutlich mehr notwendig, wenn beispielsweise grundsätzliche Umstrukturierungen des Textes notwendig sind.

Bitte vertrauen Sie hier meiner Erfahrung und lassen Sie mich den Arbeitsaufwand vorher abschätzen – nur so kann ich Ihnen einen angemessenen Preis nennen und gute Arbeit liefern. Die Berechnung nach Normseiten garantiert Ihnen eine transparente Abrechnung, erleichtert die Vergleichbarkeit von Angeboten und ist vor allem bei Projekten, deren endgültiger Umfang bei der Angebotserstellung noch nicht abzuschätzen ist, sinnvoll.

Wenn der Normseitenpreis aber so schlecht einzuschätzen ist, warum gebe ich dann nicht einfach einen festen Stundensatz an?

Weil in jedem Projekt auch die oben genannten Kosten der Selbstständigkeit „versteckt“ sind. Deshalb gilt zum Beispiel: Je umfangreicher ein Projekt ist, desto günstiger wird es in der Regel. Akquise und Administration erfordern dann deutlich weniger Zeit als bei vielen kleinen Aufträgen. Auch die Leerlaufzeiten zwischen den Projekten fallen weg. Ein weiterer Faktor ist der zur Verfügung stehende Zeithorizont. Je weiter dieser ist, desto besser kann ich ein Projekt planen und zum Beispiel kleinere Textarbeiten „dazwischenschieben“, muss keine anderen Aufträge ablehnen und kann so Leerlauf vermeiden. Außerdem muss ich mir keine Nächte oder Wochenenden um die Ohren schlagen, um das Projekt fertigzustellen. Und dann geht es mir wie vielen Selbstständigen: Ich bin an einer stabilen Auftragslage interessiert. Je langfristiger also eine Zusammenarbeit mit mir ist und je mehr Folgeprojekte in Aussicht stehen, desto weniger zeitaufwendige Akquise muss ich betreiben und kann so Phasen mit schlechter Auftragslage reduzieren.

All das berücksichtige ich bei der Erstellung meiner Angebote. Bitte haben Sie also Verständnis dafür, dass ich keine festen Preise nenne.

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