Archiv der Kategorie: Projekte

Wei Zhang, Satellit über Tiananmen

Nach »Eine Mango für Mao« hat die Lektorin auch den neuen Roman von Wei Zhang lektoriert, der diesmal in das China Ende der 1950er-Jahre führt.

Wei Zhang, Satellit über Tiananmen, Lektorat, Belegexemplar; zu sehen sind außerdem ein Ginkgo-Blatt, Reis und Essstäbchen

Wei Zhang
Satellit über Tiananmen
Roman
Elster & Salis
400 Seiten, 24 €
ISBN: 978-3-039300-26-1

Während Mao gerade den »Großen Sprung nach vorn« propagiert, darf »Großmutter« Guo mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter in die Neubergstraße im sogenannten Harmoniedorf ziehen, eine neue und einigermaßen komfortable Siedlung auf einem Hügel, zu dessen Füßen die gigantische Dongshan-Stahlfabrik liegt. »Großmutter« wird sie vom Polizisten aus Respekt genannt, und zur Parteisekretärin der Neubergstraße wird sie, weil kein anderes Parteimitglied dort lebt.

Guos Quartierinitiative wird durch den »Großen Sprung nach vorn«, mit der unter anderem die Stahlproduktion in die Höhe getrieben werden soll, komplett in den Schatten gestellt. Plötzlich bauen sogar die bisher untätigen Hausfrauen des Quartiers einen Hochofen und beginnen, Stahl zu schmelzen. Dabei treten sie in einen Wettstreit mit ihren Männern, den Arbeitern des Stahlwerks, darum, einen neuen Produktionsrekord aufzustellen, was damit verglichen wird, einen Satelliten ins All zu schießen.

Die Stahlschmelze schlägt derweil Funken der Liebe, entfacht das Feuer der politischen Gesinnung und lässt die Flammen des Schicksals in den Himmel lodern. Wei Zhangs neuer Roman ist bunt und vielschichtig wie ein Kaleidoskop, dabei präzise beobachtet und mitreißend erzählt.

Wei Zhang wurde während der Kulturrevolution in Chongqing, VR China, geboren. Dort studierte sie Anglistik. Seit 1990 lebt sie in der Schweiz. 2007 erschien ihr Buch »Zwischen den Stühlen: Geschichten von Chinesinnen und Chinesen in der Schweiz«.  Sie schreibt für das Feuilleton der NZZ, arbeitet daneben als Hochschuldozentin und gibt Kurse zu interkulturellen Themen. Nach »Eine Mango für Mao« ist »Satellit über Tiananmen« ihr zweiter Roman.

Claudia Honecker & Sabine Pflitsch, Chaos im Wald

Kinderbuch-Korrektorate sind eine besondere Herausforderung, denn gerade hier kommt es bei wenig Text wirklich auf jeden Buchstaben an …

Belegexemplar von Claudia Honecker, Sabine Pflitsch, Wir sind ganz Durcheinander. Chaos im Wald, Korrektorat, Kinderbuch auf einem Stamm im Wald; das Grün des Buches und des Waldes hat fast dieselbe Farbe

Claudia Honecker (Texte) & Sabine Pflitsch (Illustrationen)
Wir sind ganz durcheinander!
Chaos im Wald

Kinderbuch
Ladislaus Bean Verlag
Hardcover, farbig illustriert
48 Seiten, 12 € 
ISBN: 978-3-9818906-55

»Wir sind ganz durcheinander! Chaos im Wald« ist der dritte Band einer Kinderbuchreihe mit Rätselspaß für Groß und Klein zur Unterstützung der Lese- und Schreibkompetenz.

Im Wald regiert das Chaos: Worte und Bilder sind durcheinandergeraten. Liegenpfliz? Echniöhrchen? Tepsch? Wer oder was verbirgt sich wohl dahinter? Schon wieder brauchen wir dich, um Ordnung zu schaffen! Setze die Buchstaben und Bilder richtig zusammen, und schon erkennst du Fliegenpilz, Eichhörnchen und Specht!

In den anderen beiden Bänden der Reihe herrscht das Chaos in der Küche und im Zoo.

Monika von Bothmer, Lehm an meinen Schuhen

Und wieder hat ein Manuskript, das die Lektorin lektoriert hat, einen Verlag gefunden:

Monika von Bothmer, Lehm an meinen Schuhen, Lektorat, Belegexemplar auf gemaltem Hintergrund

Monika von Bothmer
Lehm an meinen Schuhen
Roman
agenda Verlag
300 Seiten, 14,90 €
ISBN: 978-3-89688-721-4

Es sind die 1970er-Jahre: Marie soll den seit Jahrhunderten im Familienbesitz befindlichen Hof übernehmen. Doch sie passt nicht in diese Welt, die, bestimmt von Arbeit und Tradition, ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung verständnislos gegenübersteht. Selbst die Toten der Familie, die sie „die Anderen“ nennt, die immer da sind in den Gedanken und Erzählungen der Lebenden, mischen sich ein und raunen die jahrhundertealten Worte: „Du kennst deine Pflicht. Enttäusche uns nicht. Das steht dir nicht zu.“

Marie versucht, dieser Welt zu entfliehen. Als Studentin erlebt sie die Kämpfe um die Emanzipation der Frau und den Beginn der ökologischen Bewegung. Sie verliebt sich in zwei Männer und muss sich entscheiden.
Immer im Hintergrund: die politische und soziale Entwicklung des Dorfes, aus dem Marie stammt, und ihre Familiengeschichte. Drei Generationen behaupten ihre Existenz in der Bauernbefreiung, den dunklen Jahren des Nationalsozialismus und in den Nachkriegsjahren bis hinein in die Gegenwart.

»Lehm an meinen Schuhen« erzählt von knorrigen, schweigsamen Gestalten, von Pflicht und Gehorsam, infrage gestellten Gewissheiten, Aufbegehren und Aufbruch. Es ist eine Geschichte von Versagen und Schuld, Freundschaft, Liebe und Vergebung.

Monika von Bothmer, 1957 auf einem Hof in einem kleinen Dorf auf der Haar geboren, kehrte nach Jahren in Ostwestfalen-Lippe und Aachen zum „Wind auf der Höhe“ zurück und lebt seitdem mit ihrer Familie wieder auf dem Haarstrang; dem Höhenzug, der die fruchtbare Bördelandschaft im Norden von den Bergen des Sauerlandes im Süden trennt.

Svetlana Lavochkina, Die rote Herzogin

Und auch der zweite Frühjahrstitel ist da: »Die rote Herzogin«, das Prequel zu »Puschkins Erben«, hat die Lektorin ebenfalls für Voland & Quist Korrektur gelesen.

Svetlana Lavochkina, Die rote Herzogin, Belegexemplar, Korrektorat

Svetlana Lavochkina
Die rote Herzogin
(OT: Dam Duchess)
Deutsch von Diana Feuerbach
Roman
Voland & Quist
gebunden
128 Seiten, 20 €
ISBN: 978-3-86391-323-6

Zaporoschje in der Ukraine, Ende der 1920er-Jahre: Stalin will den Dnjepr-Staudamm bauen, Herzstück und Prestigeprojekt der sowjetischen Industrialisierung.
Zum Bauleiter wird Chaim Katz ernannt, zur Propagandachefin seine Frau Darja, die sich nach ihrer glanzvollen Jugendzeit zurücksehnt. Um ihrem Dasein wieder einen Sinn zu geben, plant die Ex-Herzogin inmitten der unheilvollen Atmosphäre von Verrat und drohenden Säuberungen einen Weihnachtsball. Lange können aber derartige konterrevolutionäre Aktivitäten nicht geheim bleiben – und Darja Katz muss einen hohen Preis dafür bezahlen.

In »Die rote Herzogin« erzählt Svetlana Lavochkina die Vorgeschichte zu ihrem Roman »Puschkins Erben«. Entstanden ist eine groteske Parabel auf Megalomanie und Menschenverachtung und ein sprachgewaltiges und sinnlich pralles Porträt der Ukraine zu Zeiten des Roten Terrors. Nichts für Zartbesaitete oder Leute mit schwachen Nerven. Das Buch wurde 2013 mit dem Pariser Literaturpreis ausgezeichnet

Svetlana Lavochkina ist Autorin sowie Übersetzerin ukrainischer und russischer Lyrik. Geboren und aufgewachsen in der östlichen Ukraine, lebt sie heute mit ihrer Familie in Leipzig, wo sie als Lehrerin arbeitet. Lavochkina schreibt auf Englisch, ihre Texte wurden bisher in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien in den USA und Großbritannien veröffentlicht. 2019 ist ihr Roman »Puschkins Erben« erschienen.

Diana Feuerbach ist Autorin, Übersetzerin und Hörbuchregisseurin. Sie lebt in Leipzig. Die Absolventin des Deutschen Literaturinstituts hat in den USA studiert und gearbeitet. Mehrfach hat sie die Ukraine und Russland bereist und sich in eigenen Texten mit der postsowjetischen Welt beschäftigt, etwa in ihrem 2014 erschienenen Roman »Die Reise des Guy Nicholas Green« (Osburg Verlag). Sie übertrug bereits »Puschkins Erben« ins Deutsche.