Archiv der Kategorie: Projekte

Harun Farocki, Unregelmäßig, nicht regellos

Diesen Band mit Texten des Filmemachers Harun Farocki aus den Jahren 1986 bis 2000 hat die Lektorin für das Harun-Farocki-Institut* teilweise lektoriert, teilweise Korrektur gelesen.

* Eigenschreibweise: Harun Farocki Institut

Harun Farocki, Unregemäßig, nicht regellos, Belegexemplar, Lektorat, Korrektorat

Harun Farocki
Unregelmäßig, nicht regellos.
Texte 1986–2000
Hg. v. Tom Holert
(n. b. k. Diskurs 16: Schriften Band 5)
Verlag der Buchhandlung Walther König
350 Seiten, 19,80 €
ISBN: 978-3-96098-990-5

In den Jahren zwischen 1986 und 2000 organisierte Harun Farocki sein filmisches Schaffen zunehmend entlang der drei Kategorien Beobachtungsfilm, Essayfilm und Kompilationsfilm. Mitte der 1990er-Jahre entstanden überdies die ersten installativen Arbeiten für den Ausstellungsraum.
Band 5 der »Schriften« versammelt Texte, die Farocki begleitend und kommentierend zu Filmen wie »Bilder der Welt und Inschrift des Krieges«, »Videogramme einer Revolution«, »Arbeiter verlassen die Fabrik« oder »Gefängnisbilder« verfasst hat. Das Buch macht die Leser*innen zudem mit Farocki als Autor von Zeitungskolumnen und anderen Gelegenheitstexten vertraut.
Es enthält ein ausführliches Nachwort des Herausgebers Tom Holert.

Harun Farocki (1944–2014) war ein deutscher Filmemacher, Autor und Hochschuldozent für Film. Er war einer der wichtigsten Essayfilmer und hat mehr als 90 Filme realisiert.

Flavius Ardelean, Der Heilige zwischen den Welten

Über die Zusammenarbeit mit dem homunculus verlag hat sich die Lektorin sehr gefreut! Sie durfte diesen düsteren Fantastik-Roman Korrektur lesen.

Flavius Ardelean, Der Heilige zwischen den Welten, Eva-Ruth Wemme, Belegexemplar, Korrektorat

Flavius Ardelean
Der Heilige zwischen den Welten
(OT: Bășica Lumii și a ne’Lumii)
Deutsch von Eva Ruth Wemme
Roman
homunculus verlag
gebunden
496 Seiten, 26 €
ISBN: 978-3-946120-36-0

Ein Toter wird von der Schattenfrau wiedererweckt und lebt von nun an als lebendiges Skelett. Für kurze Zeit kann er wieder mit seiner Geliebten zusammen sein. Eine Tochter aus reichem Hause wird zur Soldatin der Heiligen Frauen ausgebildet und begegnet ihrer großen Liebe. Ein Mann mit Pferdekopf stürzt aus der Welt in die un’Welt und stellt fest, dass alles eine Frage der Perspektive ist. Ein Heiliger erlangt einen neuen Körper und zusätzlich eine Armee unsichtbarer Krieger.
Die vier Gestalten machen sich auf, um in einer finalen Schlacht für die Liebe und gegen das Böse zu kämpfen, und stehen dabei doch auf unterschiedlichen Seiten. Was ist Gut und was ist Böse? Wer steht auf der richtigen Seite, wenn er der festen Überzeugung ist, der jeweils andere stehe auf der falschen?
»Der Heilige zwischen den Welten« führt uns auf virtuose Weise die Macht des Erzählens und die perfide Ambivalenz von Wahrheit vor Augen.

Ardeleans Heiligen-Romane sind eine Sensation der modernen Fantastik: Die vor bizarren, bildgewaltigen Einfällen strotzende Handlung – meisterhaft illustriert von der Künstlerin Ecaterina Gabriela –, der tolkiensche Weltentwurf mit seinen fantasievollen Kreaturen sowie die märchenhafte Sprache machen sie zu großer Literatur.

Flavius Ardelean, geboren 1985 in Brașov, ist ein rumänischer Fantastikautor und Übersetzer aus dem Deutschen und Englischen. Er ist Mitglied der Horror Writers Association. Für seine Romane wurde er zweifach mit dem rumänischen Colin Award für fantastische Literatur ausgezeichnet. Außerdem wurde er für das beste Europäische Debüt beim Festival du Premier Roman in Chambery, Frankreich, sowie zweimal als bester Nachwuchsautor bei der Young Writers Gala in Bukarest nominiert. Zu seinen literarischen Vorbildern gehören H. P. Lovecraft, Franz Kafka und Alfred Kubin. Seine Heiligen-Romane sind die ersten Werke des Autors, die ins Deutsche übersetzt werden.

Anne-Marie Garat, Der große Nordwesten

Bei diesem eindringlichen Roman hat die Lektorin das Übersetzungslektorat übernommen – und sie freut sich sehr über das Vertrauen des Verlags.

Anne-Marie Garat, Der große Nordwesten, Belegexemplar, Lektorat, Übersetzungslektorat

Anne-Marie Garat
Der große Nordwesten
(OT: Le Grand Nord-Ouest)
Deutsch von Alexandra Baisch
Roman
Jumbo Neue Medien & Verlag (Goya)
gebunden
432 Seiten, 22 €
ISBN: 978-3-8337-4281-1

Ende der 1930er-Jahre verlässt das Starlett Lorna del Rio nach dem Tod ihres Mannes mit ihrer sechsjährigen Tochter Jessie überstürzt Hollywood. Sie flüchten in den großen Nordwesten, Richtung Yukon und Alaska. Ihre Reise führt sie durch ein Land, das von Legenden geprägt ist: Legenden der First Nations und der indigenen Bevölkerung, der Goldsucher und Trapper, der Western, Märchen und Abenteuerromane. Ausgestattet mit einer mysteriösen Karte, dem gestohlenen Geld von Jessies verstorbenem Vater und einem Gewehr stellen sich Mutter und Tochter der Wildnis und ihrer eigenen Vergangenheit. Schutzlos der Natur ausgeliefert und verfolgt von Kopfgeldjägern rettet die Begegnung mit Kaska, einer Indigenen der Gwitch’in First Nations, ihr Überleben. Doch was verbirgt Lorna, die mit jeder Station der Reise ihren Namen wechselt und neue Geschichten über ihre Herkunft erfindet? Und warum denkt das FBI, es müsste Jessie finden und retten?

Eine große Erzählung über Nordamerikas Wildnis, die ein ganzes Universum faszinierender Figuren, Bilder und Landschaften bereithält, ein Roman über den Zusammenprall verschiedener Kulturen, von den existenziellen Herausforderungen der Natur und der Suche nach sich selbst in einer gespaltenen Gesellschaft.
Der Roman wurde im französischen Original 2019 mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet.

Anne-Marie Garat, geboren 1946 in Bordeaux, ist Schriftstellerin und Dozentin für Film und Fotografie. Ihre Romane sind von hoher literarischer Kraft und voller scharfsinniger Gesellschaftsbeobachtungen. Für ihr ausgezeichnetes literarisches Werk wurde sie mit zahlreichen Literaturpreisen prämiert, darunter dem Femina-Preis und dem Marguerite-Audoux-Preis.

Nina Bouraoui, Geiseln

Dieses schmale, aber sehr eindringliche Buch hat die Lektorin für Elster & Salis Korrektur gelesen:

Nina Bouraoui, Geiseln, Korrektorat, Belegexemplar, Messer, Rose

Nina Bouraoui
Geiseln
(OT: Otages)
Deutsch von Nathalie Rouanet
Elster & Salis
gebunden
160 Seiten, 19 €
ISBN: 978-3-906903-16-3

»Ich heiße Sylvie Meyer. Ich bin dreiundfünfzig Jahre alt. Ich bin Mutter zweier Kinder. Ich lebe seit einem Jahr von meinem Mann getrennt. Ich arbeite bei Cagex, einem Gummiunternehmen. Ich bin für die Produktionskontrolle zuständig. Ich bin nicht vorbestraft.«

Sylvie Meyer ist eine einfache, starke Frau mit klaren Grundsätzen – und eine Arbeiterin, auf die man sich verlassen kann.

Als ihr Mann sie verlässt, sagt sie nichts, weint nicht. Sie macht weiter wie zuvor, kümmert sich um ihre beiden Söhne im Teenageralter, versucht, nachts ein Bett auszufüllen, das zu groß für sie geworden ist. Auch als ihr Chef Victor Andrieu sie plötzlich zwingt, die anderen Arbeiterinnen, die »Bienen«, heimlich zu überwachen, fügt sie sich. Sylvie will kein Opfer sein. Sie erstellt Listen und sucht nach Kriterien für künftige Entlassungen. Wieder handelt sie, wie von ihr erwartet, doch gegen ihr moralisches Empfinden. Bis zu jenem Tag im November, als die Ungerechtigkeit, die Gewalt der Welt und ihre eigene Einsamkeit sie einholen; als sie erkennt, dass sie seit Langem erstickt, bei der Arbeit und im Privaten, da endlich rebelliert Sylvie und schreitet zur Tat. Kurz fühlt sie sich wieder lebendig und frei.

Nina Bouraoui verleiht ihrer Heldin in einem Monolog eine Stimme voller Dringlichkeit und Unmittelbarkeit. Sie erzählt die Geschichte einer Gefangenschaft und einer Befreiung: kraftvoll und doch diskret, voller Feingefühl für die seelischen Zwischentöne.

Nina Bouraoui, geboren 1967, ist eine der führenden französischen Schriftstellerinnen ihrer Generation. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Algerien, mit Zwischenstationen in Zürich und Abu Dhabi, und lebt seitdem in Paris. Sie ist Preisträgerin des Prix Renaudot, Prix du Livre Inter und Prix Emmanuel Roblès, und Commandeur de l’ordre des Arts et des Lettres. Ihre Romane sind weltweit in zahlreiche Sprachen übersetzt. »Geiseln« wurde mit dem Prix Anaïs Nin 2020 ausgezeichnet und für den Prix des Cinq Continents nominiert. Nina Bouraoui schrieb »Geiseln« bereits 2016 – noch vor der Bürgerbewegung der Gilets jaunes und vor #MeToo – »als Hommage an die wirtschaftlichen und emotionalen Geiseln, die wir alle sind«.