Louise Labé, Torheit und Liebe

»Vielleicht muss sogar die Literaturgeschichte umgeschrieben werden«, titelte die FAZ (Hannah Bethke) im September nach der Vorstellung des ersten Bandes in der Reihe »Femmes de Lettres«, die nun im Secession Verlag erscheint. Die Lektorin hat ihn Korrektur gelesen.

Louise Labé
Torheit und Liebe – Die Werke der Louise Labé
(OT: Evvres de Louize Labé Lionnoize)
(Femmes de Lettres, Band 1)
Deutsch-Französische Ausgabe
Aus dem Mittelfranzösischen übersetzt von Monika Fahrenbach-Wachendorff
Mit einem Nachwort von Elisabeth Schulze-Witzenrath
gebunden ohne Schutzumschlag
208 Seiten, 20 €
ISBN: 978-3-906910-68-0

Mehr als ein schmales Bändchen, erschienen im Jahr 1555 in Lyon, hat die »schöne Seilerin« aus Lyon nicht hinterlassen. Und doch werden die Werke der Louise Labé in Frankreich bis heute immer wieder aufgelegt. Ihre Sonette gehören zu den schönsten Gedichten in französischer Sprache. Aber auch die Elegien und der feministisch anmutende Widmungsbrief der mit 31 Jahren verwitweten Autorin sind ein frühes Zeugnis aufklärerischen und emanzipatorischen Denkens und Schreibens. Erstmals liegt nun ihr Gesamtwerk in dieser durchgehend zweisprachigen Ausgabe vor, einschließlich des noch nie zuvor ins Deutsche übersetzten Streitgesprächs zwischen Folie und Amor.

Louise Labé (geboren um 1524 bei Lyon, gestorben 1565) besaß für eine Frau ihrer Zeit eine umfassende Bildung. Als Mitglied der Lyoneser Dichterschule betrieb sie einen Salon, in dem sich Gelehrte und Dichter ihrer Heimatstadt versammelten.

Femmes de Lettres Autorinnen im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts

Gemeinsam mit der FONTE-Stiftung beginnt der Secession Verlag in diesem Jahr eine offene Reihe mit Werken »vergessener« europäischer Autorinnen und Texten von Autorinnen, die seit Jahren nicht mehr übersetzt und publiziert worden sind. Unabhängig davon, ob ihr Werk, das zu ihren Lebzeiten große Beachtung fand oder sogar zu den »Bestsellern« zählte, Eingang in die offizielle Literaturgeschichte gefunden hat, sollen Prosa (Briefe, Briefromane, Romane), Lyrik oder auch Theaterstücke von Frauen im literatur- und kulturhistorischen Kontext, das heißt auch in ihrer literarhistorischen Bedeutung vorgestellt werden. Ziel der Reihe ist es, den Kanon der europäischen Literatur zu vervollständigen.

Marie Darrieussecq, Hiersein ist herrlich

Marie Darrieussecq hat eine sehr persönliche Biografie über Paula Modersohn-Becker geschrieben – die Lektorin hat deren Übersetzung sehr gerne für den Secession Verlag Korrektur gelesen.

Belegexemplar Marie Darrieussecq, Hiersein ist herrlich. Das Leben der Paula Modersohn Becker, KorrektoratMarie Darrieussecq
Hiersein ist herrlich. Das Leben der Paula Modersohn-Becker
(OT: Être ici est une Splendeur)
Roman
Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky und Frank Heibert
Gebunden ohne Schutzumschlag
128 Seiten; 18 €
ISBN 978-3-906910-65-9

Die Malerin Paula Modersohn-Becker (1876–1907) gilt als eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus und hat in ihrem kurzen Leben ein beeindruckendes Werk geschaffen.

Die hier vorliegende Biografie, die Marie Darrieussecq Paula Modersohn-Becker widmet, nimmt sämtliche Elemente auf, die den kurzen Lebensweg der Künstlerin markieren. Doch sie zeichnet sie in einem zugleich weiblichen und literarischen Licht. Sie zeigt voller Lebendigkeit und Einfühlungsvermögen den Kampf dieser Frau inmitten der Männer und Künstler ihrer Zeit, ihre Freundschaften, vor allem jene mit Rainer Maria Rilke, und nicht zuletzt ihren unbedingten Wunsch nach Ausdruckskraft und Unabhängigkeit, auf den sie insbesondere insistierte.

Marie Darrieussecq, geboren 1969 in Bayonne, hat seit 1996 neben diversen kleineren Texten 16 Bücher veröffentlicht, darunter »Schweinerei«, »Prinzessinnen«, den mit dem Prix Médicis gekürte Roman »Man muss die Männer sehr lieben« und zuletzt bei Secession »Unser Leben in den Wäldern«. Bis 2017 arbeitete sie zudem als Psychoanalytikerin. Mit ihrer Familie lebt sie in Paris.

Handliche Bibliothek der Romantik

Die »Handliche Bibliothek der Romantik« erscheint im Secession Verlag Berlin, und die Lektorin übernimmt gemeinsam mit Joachim von Zepelin die Redaktion der insgesamt fünfzehn wunderschön gestalteten Einzelbände. Jetzt sind die ersten drei erschienen!

Belegexemplare Handliche Bibliothek der Romantik, Tiere, Gespenster, Hans Christian Andersen O. T., Redaktion, LektoratRomantik ist weit mehr als man vermutet, mehr als mondbeschienene Waldesnächte, sehnsüchtige Liebesgesänge und harmonisches Brunnenrauschen. Die Autorinnen und Autoren dieser Epoche erzählen ebenso von gefahrvollen Finsternissen, inneren Abgründen und schrillen Misstönen. Und sie berichten davon, wie diese beiden scheinbar einander entgegengesetzten Welten beständig ineinander übergehen. Romantische Literatur setzt unablässig feste Unterscheidungen und Konventionen aufs Spiel. Genau darin ist sie alles andere als eine vergangene oder gar verstaubte Bewegung. In ihrer Grenzen sprengenden Energie ist sie bis heute gegenwärtig: Sie vermischt Inneres und Äußeres, lässt Realität und Fantasie ununterscheidbar werden, überblendet Natur und Kultur.

Die Reihe wird herausgegeben von Roland Borgards, Mareike Hennig, Christiane Holm, Harald Neumeyer, Günter Oesterle und Dagmar von Wietersheim.

Band 1: Gespenster

Herausgegeben von Harald Neumeyer
240 Seiten mit Abbildung: 24 €
ISBN 978-3-96639-000-2

Die Aufklärung ist den Gespenstern zu Leibe gerückt. Als trügerische Bilder und irrige Vorstellungen einer von der Vernunft losgelösten Einbildungskraft wurden sie aus der Lebenswelt verbannt und in das Reich des Aberglaubens verwiesen. Die Romantik holt sie zurück und lässt sie durch ebenso spannende wie geheimnisvolle Geschichten spuken bei Friedrich de la Motte-Fouqué (»Die Köhlerfamilie«), Ludwig Tieck (»Die Klausenburg«), Wilhelm Hauff (»Die Geschichte vom Gespensterschiff«), E. T. A. Hoffmann (»Ein Fragment aus dem Leben dreier Freude«, »Eine Spukgeschichte«) oder Heinrich von Kleist (»Das Bettelweib von Locarno«). Das aufgeklärt-romantische Gespenst hinterfragt den Wahrheitsgehalt unserer Wahrnehmungsformen, es fordert eine Diskussion über Mechanismen und Prinzipien rationaler Welterschließung heraus, es lauert am liebsten im Grenzgebiet zwischen Realität und Fantasie und spiegelt seelische Zustände und Prozesse. Doch nach seiner Vertreibung aus der Wirklichkeit kann es seine hergebrachte Kernkompetenz noch viel durchdringender ausspielen: die Lust am Gruseln wecken.

Harald Neumeyer ist Professor für Neuere deutsche Literatur mit kulturwissenschaftlichem Schwerpunkt an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitherausgeber des E. T. A.-Hoffmann-Jahrbuchs.

Band 2: Tiere

Herausgegeben von Roland Borgards
240 Seiten mit zahlreichen Abbildung; 24 €
ISBN 978-3-96639-001-9

Romantische Texte beherbergen ein ganzes Bestiarium so alltäglicher wie absonderlicher Tiere: vom Floh, der zu einem Baron mutiert (Clemens Brentano), über den Hund, der ein Verbrechen aufklärt (Johann Peter Hebel), bis zum Affen, der eine ganze Kleinstadt durcheinanderwirbelt (Wilhelm Hauff). Ein Vogel, der nicht nur singen, sondern auch sprechen kann (Hans Christian Andersen), findet sich hier genauso wie ein Kater, der einen Mörder bis in seine schlaflosen Nächte verfolgt (Edgar Allen Poe). Heinrich Heine hat das, in einer Mischung aus Bewunderung und Entsetzen, den »blühenden Nachtigallen-Wahnsinn« der Romantik genannt. Und in der Tat wirken die Tiere der Romantik oft fantastisch oder grotesk. Doch durch diese vielgestaltige Fauna hindurch zielen die Romantiker auf zentrale Fragen ihrer Zeit: auf die Stellung des Menschen in der Welt, auf die gewaltdurchtränkte Kehrseite aufgeklärter Kultur und nicht zuletzt auf die Möglichkeiten der Literatur selbst.

Roland Borgards ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Er gibt unter anderem die Buchreihe »Cultural Animal Studies« heraus und hat gemeinsam mit Esther Köhring und Alexander Kling die »Texte zur Tiertheorie« vorgelegt.

Band 3: Hans Christian Andersen: O. T.

Herausgegeben von Heinrich Detering
448 Seiten mit 17 Scherenschnitten des Autors; 26 €
ISBN 978-3-96639-002-6

Diese packende und immer wieder ergreifende Geschichte eines von Geburt an Stigmatisierten ist zugleich die Geschichte eines Zeitalters: Nicht nur zwischen aufgeklärter Weltläufigkeit und feindseligem Nationalismus fühlt sich der Held hin- und hergerissen, sondern auch zwischen den Klassen und erst recht zwischen den Geschlechtern. So erzählt diese Geschichte – die hier in der schönsten und wirkungsmächtigsten deutschen Übersetzung von Heinrich Denhardt vorgelegt wird – auch vom Ende romantischer Leidenschaften und Lebensentwürfe und vom desillusionierten Erwachen in einer neuen, »realistischen« Zeit. Sie lässt verstehen, warum Hans Christian Andersen ein Lieblingsautor so unterschiedlicher Schriftsteller wie Oscar Wilde, Nabokov und Thomas Mann geworden ist.

Heinrich Detering ist Professor für Neuere deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Göttingen. Er ist daneben auch als Literaturkritiker und Übersetzer tätig und publiziert eigene Gedichte.

Svetlana Lavochkina, Puschkins Erben

Bei diesem Roman voller seltsamer Figuren hat die Lektorin für Voland & Quist das Korrektorat übernommen.

Svetlana Lavochkina, Puschkins Erben, Cover, KorrektoratSvetlana Lavochkina
Puschkins Erben
(OT: Zap)
Roman
Aus dem Englischen von Diana Feuerbach
Gebunden
368 Seiten; 24 €
ISBN: 978-3-863912-42-0

Juni 1820: Alexander Puschkin, auf dem Weg in die Verbannung, verliert beim euphorischen Bad im wilden Dnjepr bei Zaporoschje, einem langweiligen ukrainischen Nest, seinen wertvollen Türkisring und bekommt starkes Fieber. Neun Monate später bekommt die Wirtin des ihn beherbergenden Gasthauses ein Kind.

31. Dezember 1976, Zaporoschje: Die Familie Katz feiert in großer Runde Silvester, selbst die über Hemingway promovierende Alka hat den langen Weg aus Moskau auf sich genommen. Doch sie ist mal wieder enerviert ob der provinziellen Rückständigkeit ihrer Verwandten, einzig der schöne Schwarzmarktkaufmann Mark aus Odessa scheint sich abzuheben vom familiären Pöbel. Schließlich nutzt Möchtegernpoet Josik, Ehemann von Alkas Cousine Rita, die Gelegenheit, Mark seine neueste bahnbrechende Entdeckung zu verkünden: Die Familie stammt vom großen russischen Dichter Alexander Puschkin ab!

Svetlana Lavochkina erzählt die Geschichte der schillernden jüdischen Familie Katz – von verbotener Liebe, frommer Literaturverehrung und Selbstbehauptung angesichts einer profanen sowjetischen Realität.

Svetlana Lavochkina ist Autorin sowie Übersetzerin ukrainischer und russischer Lyrik. Geboren und aufgewachsen in der östlichen Ukraine, lebt sie heute mit ihrer Familie in Leipzig, wo sie als Kolumnistin und Lehrerin arbeitet. Lavochkina schreibt auf Englisch, ihre Texte wurden bisher in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien in den USA und Großbritannien veröffentlicht. 2013 wurde ihre Novelle »Dam Duchess« mit dem Pariser Literaturpreis ausgezeichnet. Der Roman »Puschkins Erben« stand 2015 auf der Shortlist vom Tibor Jones Pageturner Preis in London.