Joonas Sildre, Zwischen zwei Tönen

Die Lektorin freut sich immer sehr, wenn sie durch ihre Arbeit etwas Neues entdeckt – in diesem Fall durch das Korrektorat der Graphic Novel die Musik von Arvo Pärt – vor allem „Für Alina“ hat es ihr angetan.

Joonas Sildre, Zwischen zwei Tönen. Aus dem Leben des Arvo Pärt, Graphic Novel, Belegexemplar, Korrektorat

Joonas Sildre
Zwischen zwei Tönen
Aus dem Leben des Arvo Pärt
Graphic Novel
dt. v. Maximilian Murmann
Voland & Quist
gebunden
224 Seiten; 28 €
ISBN: 978-3-86391-281-9

„Zwischen zwei Tönen“ verfolgt den Werdegang des weltberühmten Komponisten Arvo Pärt von seiner Kindheit im okkupierten Estland bis zu dem Jahr 1980, als er auf Druck der sowjetischen Regierung mit seiner Familie nach Wien emigrierte. Seine größte Inspiration fand Pärt, der als junger Mann vor allem Filmmusik komponierte, in alter sakraler Musik, die schließlich zur Grundlage seines Tintinnabuli-Stils wurde.
Auf Grundlage jahrelanger Recherchen zeichnet Joonas Sildre in kurzen Episoden das stimmungsvolle Porträt eines bescheidenen, rastlosen Künstlers, der auf seiner Suche nach Sinn und einer eigenen Musiksprache auch nicht die Konfrontation mit der Staatsmacht scheute. Die Graphic Novel wurde 2018 anlässlich der Eröffnung des Arvo-Pärt-Zentrums in Laulasmaa/Estland veröffentlicht und mehrfach ausgezeichnet.

Joonas Sildre (*1980) ist Künstler und Illustrator. Er studierte Grafikdesign an der Estnischen Kunstakademie und  arbeitet heute als freischaffender Künstler. Sildre hat rund 30 Kinderbücher illustriert und mit „Zwischen zwei Tönen“ die erste Graphic Novel in estnischer Sprache verfasst. Er hat an Kunsthochschulen unterrichtet, Anthologien herausgegeben und Comicfestivals organisiert. Er ist Mitbegründer des Estnischen Comicverbands. Sildre lebt mit seiner Familie in Tallinn.

Viktor Martinowitsch, Revolution

„Der Roman ‚Revolution‘ ist eine Schleuderkammer der literarischen und politischen Anspielungen, aufregend, erschreckend und sogar witzig“, schreibt Cornelia Geißler in der Berliner Zeitung – und er ist noch vieles mehr.
Die Lektorin hat ihn sehr gerne für Voland & Quist Korrektur gelesen.

Viktor Martinowitsch, Revolution, Belegexemplar, Korrektorat

Viktor Martinowitsch
Revolution
Roman
dt. v. Thomas Weiler
Voland & Quist
Softcover mit Farbschnitt
400 Seiten, 24 €
ISBN: 978-3-86391-280-2

Dies ist die Beichte von Michail German. Den Namen Viktor Martinowitsch benutzt er nur als beliebiges Pseudonym. Vor Jahren beendete er, aufstrebender Dozent an einer Moskauer Privatuniversität, von einem Tag auf den anderen die Beziehung zu einer Kellnerin, die er eigentlich innig liebte. Was steckt hinter seinem plötzlichen Verschwinden? In diesem Buch offenbart er sein Geheimnis.
Martinowitsch erzählt in einem klugen Spiel mit der Fiktion von der skrupellosen Manipulation fragwürdiger Freunde und fragt nach dem Wesen der Macht, nach der menschlichen Tendenz zu Feigheit und Fügung.

Viktor Martinowitsch (auch: Victor Martinovich), 1977 in Belarus geboren, studierte Journalistik in Minsk und lehrt heute Politikwissenschaften an der Europäischen Humanistischen Universität in Vilnius. Er schreibt regelmäßig für ZEIT online. Martinowitsch wurde bekannt mit dem Roman „Paranoia“ (2014), der in Belarus nach Erscheinen inoffiziell verboten wurde. 2012 erhielt Martinowitsch den Maksim-Bahdanowitsch-Preis. Zuletzt bei Voland & Quist erschienen: „MOVA“ (2016).

Thomas Weiler wurde 1978 im Schwarzwald geboren. Seit seinem Übersetzerstudium in Leipzig, Berlin und St. Petersburg übersetzt und vermittelt er Belletristik und Kinderliteratur aus dem Polnischen, Russischen und Belarussischen. 2017 erhielt er den Deutschen Jugendliteraturpreis, 2019 wurde er mit dem Karl-Dedecius-Preis geehrt.
Sehr lesenswet sind seine Anmerkungen zu „Revolution“ auf fussnoten.eu.

Galal Alahmadi, Die Leere der Vase

… und um Rosen geht es auch.
Die Lektorin hat das Korrektorat der deutschen Übersetzungen und des Begleittextes von Tanja Dückers übernommen – sehr gerne würde sie aber auch das Arabische verstehen.

Galal Alahmadi
Die Leere der Vase
Gedichte
deutsch-arabische Ausgabe
Dt. v. Leila Chammaa und Günther Orth
Mit einer Einführung von Tanja Dückers
Secession Verlag
gebunden, ohne Schutzumschlag
208 Seiten, 25 €
ISBN: 978-3-96639-032-3

Wenn Novalis einmal vom »schmetternden Witz der Verzweiflung« sprach, dann ist das eine treffende Formulierung für die Poesie von Galal Alahmadi.
Als in Saudi-Arabien aufgewachsener Jemenite hat er im ebenso ölreichen wie rassistischen Königreich die Diskriminierung seiner Landsleute erlebt. Im vom Bürgerkrieg zerrissenen Jemen lernte er, wie politische Gewalt jede freie Debatte erstickt. Auf der Flucht durch den Mittleren Osten erfuhr er Heimatlosigkeit. Und in Deutschland, wo er seit 2016 lebt, war er mit fremdenfeindlicher Ablehnung konfrontiert.
Es ist also kein Wunder, dass sich in seinen Gedichten Gewalt, Heimatlosigkeit und Melancholie in einem verlorenen Ich spiegeln. Allerdings gehen seine Texte immer nur von existenziellen Erfahrungen wie Ausweglosigkeit, Einsamkeit und Sprachlosigkeit aus, treffen aber allgemeingültige Aussagen über gesellschaftliche, politische und sogar familiäre Verhältnisse.
Seine Arbeiten stehen sowohl für die ästhetische Moderne des arabischen Landes als auch für die Zerstörungen, die der lange andauernde Krieg in den Menschen angerichtet hat. Die werden umso greifbarer als Galal Alahmadi sich mit äußerst bildstarken, häufig auch ironisch gebrochenen Metaphern an die unausweichliche Verzweiflung herantastet. Auch seine Liebesgedichte sind Ausdruck der Desorientierung, des Scheiterns, der Vergeblichkeit und zählen gerade darum zu den modernsten lyrischen Texten aus seinem Kulturkreis.

Galal Alahmadi, geboren 1987 in Tabuk, zählt zu den bedeutendsten Dichtern seines Landes. 2011 wurde er mit dem ersten Preis im nationalen Dichterwettbewerb des Jemen ausgezeichnet, 2014 erhielt er den Abdulaziz-al-Maqalih-Preis für Dichtung und 2017 in Kairo den renommierten Afifi-Matar-Preis für Poesie. Im Jahr 2019 zeichneten die Stiftung Brandenburger Tor und die Allianz-Kulturstiftung ihn mit dem Torschreiberstipendium aus. Galal Alahmadi hat vier Gedichtbände auf Arabisch veröffentlicht. Einzelne Gedichte von ihm sind in zahlreiche Sprachen übersetzt worden.

Au Loong-Yu, Revolte in Hongkong

Die Lektorin freut sich, Bertz + Fischer unter ihren Verlagskunden begrüßen zu dürfen – und gleich das erste Projekt hatte es in sich: ein Übersetzungslektorat mit drei Übersetzer*innen zu einem hochaktuellen, politischen Thema:

Au Loong-Yu, Revolte in Hongkong, Übersetzungslektorat, Demokratie

Au Loong-Yu
Revolte in Hongkong
Die Protestbewegung und die Zukunft Chinas
Herausgegeben vom Forum Arbeitswelten e. V.
Dt. v. Anne Scheidhauer, Ingeborg Wick, Bodo Zeuner
Softcover, 31 Fotos
320 Seiten, 14 €
Bertz + Fischer
ISBN 978-3-86505-765-5

Hongkong ist in Aufruhr: Eine neue Generation junger und politisch aktiver Bürgerinnen und Bürger erschüttert das Regime. Von der Regenschirm-Bewegung 2014 bis zur erfolgreichen Abwehr des Auslieferungsgesetzes im Oktober 2019 – und darüber hinaus – sind die Forderungen der Protestbewegung radikaler und ihre Aktionen drastischer geworden. Ihre Entschlossenheit ermutigte die Arbeiterbewegung und führte zu dem ersten erfolgreichen politischen Streik seit einem halben Jahrhundert und zu einer Ausweitung der demokratischen Bewegung.
Die Hoffnungen reichen dabei weit über das Politische hinaus: Diese neue Generation hat sich einer Hongkonger Identität verschrieben, die Inklusivität mit Offenheit verbindet. Das Buch stellt die – sozial und ideologisch durchaus heterogenen – neuen Protestbewegungen in den Zusammenhang von Kolonisierung, Revolution und Modernisierung in China. Au Loong-Yu untersucht Hongkongs einzigartige Stellung in der chinesischen Geschichte und die Reaktion auf die Proteste in Festland-China.
Mit einem vertiefenden Blick auf die Wurzeln und die Komplexität der Bewegung und durch einen Vergleich mit den weltweiten Jugendprotesten seit den 1960er-Jahren werden Gegensätze wie »westliche Werte vs. Kommunismus« und »Hongkonger-Sein vs. Chinese-Sein« als Teil einer breiteren geopolitischen Entwicklung verstanden. Im Guten wie im Schlechten ist Hongkong ein Schlachtfeld geworden im großen historischen Wettstreit zwischen den USA, Großbritannien und China.

Au Loong-Yu arbeitet in Hongkong als Publizist und setzt sich für die Rechte von Arbeitenden ein. Mitte der 1980er-Jahre war er Lehrer und gab die linke Zeitschrift »Pioneer« heraus, die für ein Selbstbestimmungrecht der Bevölkerung Hongkongs eintrat, in einer Zeit, als London und Peking hinter deren Rücken das Abkommen über Hongkongs Wiedereingliederung in die VR China vereinbarten. 1999 gehörte er zu den Mitbegründern der Organisation »Globalization Monitor«, die zum Ziel hatte, die politische Bildung von Gewerkschafter*innen und Aktivist*innen über Neoliberalismus und Globalisierung zu fördern. Er schreibt für lokale Medien wie »Ming Pao Daily« und »Stand News« sowie für englischsprachige Zeitschriften wie »WorkingUSA«, »New Politics«, »Jacobin« und »Made in China«. Sein zuletzt erschienenes Buch trägt den Titel »China’s Rise: Strength and Fragility« (Merlin Press, 2012).