Autorenarchiv: Kristina Wengorz

Ziemowit Szczerek, Lemberg. Eine Vorstellung

Die Lektorin hat bei dieser interessanten Reportage das Korrektorat übernommen.

Foto des Buches »Lemberg« von Ziemowit Szczerek, dessen Cover die etwas knalligeren Farben der ukrainischen Fahne in umgekehrter Anordnung zeigt – oben gelb, unten blau, wobei das Blau drei Stockwerke einer schräg von unten aufgenommenen Hausfassade zeigt, die neben drei Vorsprüngen markante runde Balkone aufweist; der Himmel ist gelb. Das Buch liegt auf den Farben der ukrainischen Fahne.

Ziemowit Szczerek
Lemberg. Eine Vorstellung
Aus dem Polnischen von Thomas Weiler
Essay/Reportage
Voland & Quist
256 Seiten, Hardcover, 24 €
ISBN: 978-3-863914-98-1

Lemberg, Lwiw, Lwów – eine Stadt wie ein Zauberwürfel. Ukrainisch, polnisch, galizisch, österreichisch, jüdisch, europäisch, postsowjetisch – ihre Farben wechseln mit jeder Drehung. Wer sie ordnen will, hält am Ende ein schillerndes, widersprüchliches Bild in der Hand. Denn diese Stadt erfindet sich immer wieder neu.

Für Ziemowit Szczerek ist Lwiw seine Stadt. Seit Jahren kehrt er hierher zurück, kennt ihre Geschichte und ihre Schmerzpunkte, ihre Mythen und Masken. Er liest mit Joseph Roth, Stanisław Lem und Juri Andruchowytsch gegen den Galizien-Mythos an, spricht mit Bürgermeistern, Künstlern, Nationalisten, Hipstern, Rentnern und Kriegsflüchtlingen und streift durch Friedhöfe, Außenbezirke und Disney-Kneipen.

Im unverkennbaren Szczerek-Sound entsteht ein vielstimmiges Porträt zwischen Reportage und Essay: eine literarische Expedition in eine Stadt im Dauerzustand der Verwandlung – zerrissen, lebendig, europäisch.

Ziemowit Szczerek (*1978) ist streitbarer Intellektueller und Journalist. Der Ukraine-Kenner ist fasziniert vom Osten Europas sowie von „geo-politischen, geschichtlichen und kulturellen Kuriositäten“, wie er selbst sagt. Für „Mordor kommt und frisst uns auf“ (Voland & Quist 2017) erhielt er den Paszport-Preis der „Polityka“ und war für den Nike-Literaturpreis, die wichtigste literarische Auszeichnung Polens, sowie den Internationalen Literaturpreis des HKW Berlin nominiert. 2019 erschien bei Voland & Quist sein Roman „Sieben. Das Buch der polnischen Dämonen“.

Hannah Brutschin, Arten, auszuarten

Die Lektorin hat sich sehr gefreut, wieder einen Debütroman im Lektorat betreuen zu dürfen.

Foto des Buches »Arten, auszuarten« von Hannah Brutschin, auf dessen Cover ein verfremdetes Foto einer Gebirgslandschaft, über der eine leuchtende Kugel am Himmel schwebt. Das Buch liegt auf einem Farbfoto eines nur teilweise mit Schnee bedeckten Gebirgszugs, der Bernina-Gruppe; das Foto ist ein Ausschnitt der Doppelseite 130f. eines Reader’s-Digest-Bandes über die Alpen aus dem Jahr 1972 (Copyright des Fotos: Comet-Photo, Zürich).

Hanna Brutschin
Arten, auszuarten
Roman
lectorbooks
144 Seiten, Hardcover, 22 €
ISBN 978-3-907709-35-1

Yael, Lehrerin, aufgewachsen in einem christlich-fundamentalen Haushalt, kennt die Logik der Kontrolle. Sie trägt sie in sich, kämpft täglich dagegen. Zev, ihr Freund, ist das Gegenteil: ruhig, offen, geerdet.

Eines Frühlings beginnt sich bei ihm etwas zu verschieben. Ein unbändiger Hunger nach Fleisch. Zunehmende Schlaflosigkeit. Körperliche Veränderungen, die Yael nicht einzuordnen weiß: borstenähnliche Haare auf dem Rücken, hornartige Scheiben. Etwas Außerartiges.

Das Paar flieht in ein Airbnb in den Schweizer Bergen, findet dort aber keine Ruhe. Der Vermieter erzählt von der Legende des Hürzgüri, einem Wesen, das Menschen um den Verstand bringt. Dann mobilisiert sich das Dorf. Draußen warten sie mit Äxten und Heugabeln. Drinnen wartet eine Frau, die nicht mehr weiß, ob das Wesen vor ihr noch Zev ist – und ob das überhaupt eine Rolle spielt.

»Arten, auszuarten« ist ein gewagtes Debüt, das mit den Mitteln des Bodyhorrors Themen der religiösen Prägung, von Identität und der Gewalt des Normierens verhandelt. Erzählt in der Ich-Perspektive, im Präsens, aus einer engen Sicht, aus der kein Entkommen ist.

Hannah Brutschin wurde 2002 in Liestal (Kanton Basel-Landschaft) geboren. Von 2022 bis 2025 studierte sie am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Sie arbeitet als Lehrerin und Autorin und schreibt Prosa, die sich gerne an den Rändern des Realen bewegt. Hannah Brutschin lebt in Buchs (AG).

Martin Walker, Bredouille

Bei der sehr erfolgreichen Cosy-Crime-Serie hat die Lektorin das erste Mal für den Diogenes Verlag das Übersetzungslektorat übernommen.

Foto des Buches »Bredouille« von Martin Walker, das in typischen Diogenes-Gestaltung ein Foto eines Flusses zeigt, der durch eine Grüne Landschaft fließt. Im Wasser spiegeln sich der Himmel und weiße Wölkchen, eine Brücke mit mehreren Bögen überspannt ihn. Das Buch liegt auf hellviolett blühendem Phlox. Die Lektorin hat das Übersetzungslektorat übernommen.

Martin Walker
Bredouille
Der achtzehnte Fall für Bruno, Chef de police
Aus dem Englischen von Michael Windgassen
Diogenes
384 Seiten, Hardcover, 26 €
ISBN 978-3-257-07384-3

An einem malerischen Aussichtspunkt über dem Vézère-Tal findet Bruno die Leiche von Monique, einer erfolgreichen Geschäftsfrau. Auf dem Beifahrersitz drei Abschiedsbriefe, der Fall scheint klar zu sein. Doch Bruno wird ein ungutes Gefühl nicht los. Gleichzeitig verbreiten sich in Saint-Denis heimtückische Gerüchte, und schon bald steht sein Posten auf dem Spiel. Trotz allem bleibt Bruno Bruno. Er lässt sich ein köstliches Essen in aufregender weiblicher Gesellschaft nicht entgehen und macht sich daran herauszufinden, was wirklich mit Monique passiert ist.

Martin Walker, geboren 1947 in Schottland, ist Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist. Er lebt in Washington und im Périgord und war 25 Jahre lang bei der britischen Tageszeitung ›The Guardian‹. Heute ist er im Vorstand eines Think-Tanks für Topmanager in Washington. Seine »Bruno«-Romane erscheinen in achtzehn Sprachen.

Ondřej Hübl, Der Vorhang

Eine Zeireise der anderen Art! Spannend und voll skurriler Details.
Die Lektorin hat das Übersetzungslektorat dieses tschechischen Romans für Voland & Quist übernommen.

Foto des Buches »Der Vorhang« von Ondřej Hübl. Auf dem Cover eine Flucht an rot gestrichenen Säulen, die auf eine weiße helle Fläche zuläuft; die Säulen stützen eine rohe Betondecke; rechts und links der Flucht sind weitere Säulen zu sehen – vielleicht ein Parkdeck oder eine Unterführung. Das Buch steht auf und vor einer hellen Stofffläche, rechts ragt ein heller Vorhang ins Bild, der die rechte obere Ecke des Buches verdeckt. Übersetzungslektorat

Ondřej Hübl
Der Vorhang
Aus dem Tschechischen von Daniela Pusch
Roman
Voland & Quist
400 Seiten, Hardcover, 26 €
ISBN 978-3-86391-442-4

Als die Tochter des erfolgreichen Unternehmers und Mäzens der Prager Philharmonie Josef Kaarl als vermeintliche Linksextremistin festgenommen wird, sieht dieser nur eine Chance: Sie soll erfahren, was es heißt, im Arbeiterparadies zu leben. Da kommt ihm das Angebot einer ehemaligen Filmproduktionsfirma und jetzigen Reiseagentur gerade recht: »Ausflug in den Kommunismus! Erleben Sie die Fünfzigerjahre am eigenen Leib!«

Was als harmlos inszeniertes Experiment beginnt, wird für seine Familie schnell zum Verhängnis. Die akribische Rekonstruktion der Fünfzigerjahre in der Tschechoslowakei kippt in ein beklemmendes Szenario aus Macht, Manipulation und Angst.

Ondřej Hübl, 1976 geboren, ist ein tschechischer Drehbuchautor, Texter und Schriftsteller. Gemeinsam mit Regisseur Miroslav Krobot schrieb er die TV-Serie »Zkáza Dejvického divadla« (dt. »Der Untergang des Dejvice-Theaters«), die für den Tschechischen Löwen als beste Dramaserie nominiert wurde. 2018 veröffentlichte er den Erzählband »Hod mrtvou labutí« (dt. »Wurf eines toten Schwans«). Sein Roman »Opona« (2022) zeigt sein Gespür für schwarzen Humor, Spannung und präzise Beobachtungen der Gegenwart.