Archiv des Autors: Kristina Wengorz

Anke Engelmann, Blender

Bei diesem Roman mit recht eigenwillig unzuverlässigem Ich-Erzähler hat die Lektorin das Korrektorat übernommen.

Foto des Buches. Das Cover ist rot mit blauer Schrift, es zeigt das farbverfremdete Foto eines kleinen Jungen, der einen Gartenzwerg in die Luft hält und anstrahlt. Das Buch liegt auf rotem Stoff, um es herum sind zwei Behälter mit Farbpigmenten (weiß und blau), ein Farbtopf (Farbbezeichnung ultramarin) sowie drei Pinsel drapiert.

Anke Engelmann
Blender
Roman
Voland & Quist
Hardcover, 224 Seiten, 23 €
ISBN: 978-3-86391-454-7

Hannes Bohn will nur eins: als Künstler leben. Doch für so einfache Wünsche ist die DDR zu eng. Hannes landet im Gefängnis, drogensüchtig und hoch verschuldet. Wenig später entdeckt die Stasi seine Begabung und bildet ihn zum Kunstfälscher aus. Erneut scheitert Hannes, diesmal an seiner Redlichkeit: Heimlich fälscht er ein Renaissance-Gemälde, um das Original vor dem Verkauf ins Ausland zu retten.

Anke Engelmann zeichnet das traurig-komische Leben eines Mannes nach, der durch die DDR-Geschichte stolpert. Er blufft sich durch Gefängnis, Psychiatrie und Untergrund, bis er selbst nicht mehr weiß, wer er wirklich ist: ein Bild, so oft übermalt, dass niemand mehr das Original erkennt. Ist Hannes ein tragisches Genie, ein Blender – oder beides zugleich?

Anke Engelmann, 1966 in Weimar geboren, wo sie heute lebt und arbeitet, hat nach ihren Erfahrungen in vielfältigen Jobs Sprachwissenschaft studiert und ist gelernte Journalistin. Seitdem ist das Schreiben ihre Profession: Unter dem Namen »Büro für angewandte Poesie« verfasst sie eigene und lektoriert fremde Texte, hält Kurse für Kreatives Schreiben und unterrichtet Menschen mit Behinderung im Lesen und Schreiben. 2021 erschien bei Edition Schwarzdruck ihr Erzählband »Eiapopeia im Prenzelberg«.

Hilda Monte, »Die Einheit Europas« und andere Schriften

Die Lektorin ist immer wieder dankbar, wenn sie sich im Rahmen ihrer Arbeit mit so beeindruckenden Frauen beschäftigen darf – diesmal hat sie diesen Schriftenband im Auftrag der Gedenkstätte Deutscher Widerstand zusammen mit Gerd Kühling betreut.

Foto des Buches Hilda Monte, »Die Einheit Europas« und andere Schriften, herausgegeben von Andreas Wilkens. Das Buch, dessen Cover in Orange und Rot gehalten ist, zeigt ein Schwarz-Weiß-Porträt der erwachsenen Hilda Monte; sie trägt Brille, hat die Haare locker zusammengesteckt und schaut ernst in die Kamera. Das Bild liegt auf gelbem Stoff. Lektorat

Hilda Monte
»Die Einheit Europas« und andere Schriften
hg. v. Andreas Wilkens
(Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus 7)
Lukas Verlag
Hardcover, 495 Seiten, 15 Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen
29,80 €
ISBN 978-3-86732-482-3

Hilda Monte gehört zu den außergewöhnlichen und neu zu entdeckenden Frauen des deutschen Widerstandes und Exils. 1914 in Wien geboren, wuchs sie in Berlin-Wilmersdorf auf und engagierte sich in jungen Jahren im »Internationalen Sozialistischen Kampfbund« (ISK). Nach ersten Widerstandserfahrungen in Berlin und Köln ging sie zunächst ins Exil nach Paris (1934–1936), dann nach London. Wie viele politisch aktive Exilantinnen und Exilanten tauschte sie ihren Geburtsnamen – Hilde Meisel – gegen einen Widerstandsnamen ein: Hilda Monte.

Nach dem Ausscheiden aus dem ISK 1939 ging sie eigene Wege und entfaltete eine intensive politische Arbeit in Großbritannien. Aus dem sicheren London unternahm sie eine Reihe verdeckter Missionen in das NS-Reich zur praktischen Unterstützung von Widerstandskreisen. Die wiederholten Reisen waren für sie als Sozialistin, Jüdin und Frau mit extremem Risiko verbunden.

Ihren »doppelten Widerstand« führte Hilda Monte über die gesamte Dauer des NS-Regimes und bezahlte ihn am Ende mit ihrem Leben. Bei der Rückkehr von einer letzten Mission nach Österreich wurde sie am 17. April 1945 an der Grenze bei Feldkirch erschossen.

Der Band versammelt in Ergänzung zur zeitgleich erscheinenden Biografie von Andreas Wilkens einige von Montes markanten Schriften, die Anfang der 1940er Jahre entstanden, die hier erstmals in deutscher Sprache vorgelegt werden

Andreas Wilkens
Mit dem Leben bezahlt
Hilda Monte – eine Europäerin im Widerstand
(Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus 6)

Foto des Buches »Mit dem Leben bezahlt. Hilda Monte – eine Europäerin im Widerstand« von Andreas Wilkens. Das Buch, dessen Cover in Hell- und Dunkelblau gehalten ist, zeigt ein Schwarz-Weiß-Porträt der jungen Hilda Monte. Das Buch liegt auf hellblauem Stoff.

Im Oktober 1943 erschien ihr Hauptwerk »The Unity of Europe«, ein frühes Plädoyer für eine europäische Gemeinschaft als Bedingung für Frieden und wirtschaftliche Entwicklung. Beim Aufbau des von ihr erwarteten »besseren Deutschland«, geleitet von humanen Werten und sozialer Demokratie, sollte sie fehlen. Im deutschen Widerstand sucht er seinesgleichen als ausführliche Begründung der europäischen Einigung in der Nachkriegszeit. Ziel war die Überwindung »des alten Spiels der Souveränität«.

Ihr postum erschienenes zweites Hauptwerk »Wo die Freiheit zerbrach« erzählt von Spuren des Widerstandes, von geschundenen Menschen in der Diktatur, von der unzerstörbaren Hoffnung auf eine humane Welt. »Wenn wir fallen, sterben wir so, wie wir gelebt haben«, lässt sie die Erzählerin am Ende ihres Dialog-Romans sagen.

Andreas Wilkens, geboren 1957 in Hannover. Studium der Geschichte, Germanistik und Politischen Wissenschaften in Freiburg, Köln und Paris. 1989 Promotion in Geschichte am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz, 2001 Habilitation an der Université Paris III/Sorbonne-Nouvelle. 1990 Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut Paris, 1999 Maître de conférences an der Université d’Orléans, 2004 Professor für Zeitgeschichte an der Université de Lorraine/Metz.

Viktor Martinowitsch, Das Gute siegt

Nach »Revolution« ist »Das Gute siegt« schon der zweite Roman von Viktor Martinowitsch, an dessen Erscheinen die Lektorin mitwirken durfte. Sie hat für Voland & Quist das Übersetzungslektorat übernommen und sich sehr gefreut, dass sie wieder mit Thomas Weiler zusammenarbeiten durfte.

Foto des Buches, auf dessen Schwarz-Weiß-Cover Teile einer gerüsteten Frau (Jeanne d’Arc) zu sehen sind, die mit der rechten Hand ein vor sich aufrecht hingestelltes Schwert hält; oberhalb der Wangenknochen und etwa ab den Knien nach unten ist das Bild beschnitten. Hinter ihr sind weiße Lilien und ein Kirchenbau mit einer Fensterrosette zu sehen. Das Buch liegt auf einem roten, Falten werfenden Stoff, der die Farbe der Schrift auf dem Cover aufnimmt. Übersetzungslektorat

Viktor Martinowitsch
Das Gute siegt
Deutsch von Thomas Weiler
Roman
Voland & Quist
Softcover
368 Seiten, 26 €
ISBN 978-3-86391-455-4

Minsk, Sommer 2020: Während auf den Straßen Massenproteste gegen Lukaschenkos Regime toben, beginnt Matwej im Theater die Proben zu einem Stück über den Inquisitionsprozess gegen Jeanne d’Arc. Als plötzlich seine ehemalige Lehrerin inhaftiert wird und ihr Kater Heidegger zu verhungern droht, erklärt Matwej sich bereit, Heidegger zu retten. Dabei stolpert er unverschuldet zwischen die Fronten von Protestierenden und Staatsmacht. Unterwegs begegnet er der menschgewordenen Revolution in Form der Punk-Poetin Lady Di. Ihr Mittel des Widerstands? Worte.

Ein bewegender Roman über die Kraft der Sprache und den Versuch, im Angesicht der Unterdrückung Mensch zu bleiben.

Viktor Martinowitsch (auch: Victor Martinovich), 1977 in Belarus geboren, studierte Journalistik in Minsk und lehrt heute Politikwissenschaften an der Europäischen Humanistischen Universität in Vilnius. Er schreibt regelmäßig für ZEIT online. Martinowitsch wurde bekannt mit dem Roman »Paranoia« (2014), der in Belarus nach Erscheinen inoffiziell verboten wurde. 2012 erhielt Martinowitsch den Maksim-Bahdanowitsch-Preis.

Thomas Weiler wurde 1978 im Schwarzwald geboren. Seit seinem Übersetzerstudium in Leipzig, Berlin und St. Petersburg übersetzt und vermittelt er Belletristik und Kinderliteratur aus dem Polnischen, Russischen und Belarussischen. 2017 erhielt er den Deutschen Jugendliteraturpreis, 2019 erhielt er den Karl-Dedecius-Preis, 2024 wurde er mit dem Paul-Celan-Preis und der August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung geehrt. Er lebt mit seiner Familie in Markkleeberg bei Leipzig. 2025 erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse (Übersetzung).

Ishbel Szatrawska, Die Tiefe

Auch Übersetzungen sollten sorgfältig lektoriert werden. Der Schwerpunkt liegt dabei natürlich auf der Sprache, wobei die Lektorin auch immer die deutschen Leser*innen im Blick hat, aber auch kleinere inhaltliche Löcher im Original lassen sich in enger Zusammenarbeit mit den Übersetzer*innen (und über diese mit den Autor*innen) oft noch kunststopfen.
Bei dieser Romanübersetzung aus dem Polnischen hat die Lektorin sehr gerne das Übersetzungslektorat für Voland & Quist übernommen.

Foto des Buches »Die Tiefe« von Ishbel Szatrawska, auf dessen blauem Cover eine junge Frau mit traditioneller blauer Kleidung und Haube steht. Sie lässt die Arme hängen und schaut von unten in die Kamera. Das Buch liegt auf einer mit blauen Blumen bemalten weißen Servierplatte. Lektorat

Ishbel Szatrawska
Die Tiefe
Deutsch von Andreas Volk
Roman
Voland & Quist
Hardcover
464 Seiten, 28 €
ISBN 978-3-86391-414-1

»Die Tiefe« erzählt die Geschichte mehrerer Generationen einer Familie, deren Schicksal tief mit dem einstigen Ostpreußen verwoben ist, einer Region, wo sich seit Jahrhunderten polnische, masurische, deutsche und litauische Identitäten miteinander verflechten: die Geschichte der Großmutter Janka, der Aristokratin Gudrun, ihres Geliebten Max, eines deutschen Chirurgen, der Tante Gertraud, die von Jankas Sohn, Wolf, und Alicja, dem jüngsten Familienmitglied und einer Anthropologin, die nur schwer damit zurechtkommt, das Elternhaus an der Guber zu verkaufen – ein geheimnisumwobenes Gebäude voller Erinnerungen.

Wir folgen den Lebensschicksalen der Protagonistinnen und Protagonisten, beginnend mit der Zeit des Krieges – dem Fall von Königsberg und Rastenburg sowie dem unaufhaltsamen Vorrücken der Roten Armee –, über die Ära des kommunistischen Polens, in der über die Vergangenheit gar nicht oder nur im Flüsterton gesprochen wird, bis hin zur Gegenwart, in der sich ein neuer Konflikt entwickelt.

Ishbel Szatrawska, 1981 in Olsztyn (ehemals Allenstein, Polen) geboren, studierte polnische Literatur und Theaterwissenschaft an der Jagiellonen-Universität in Krakau, wo sie heute lebt und schreibt. Sie ist Autorin von sechs Theaterstücken, u. a. »The Life and Death of Mr.Hersh Libkin from Sacramento, CA« (Eurodram 2022 Selections). Ihr Debütroman »Toń« (dt. »Die Tiefe«) stand auf Platz eins der Bestsellerliste für polnische Literatur und wurde zu einem der »10 besten Bücher des Jahres« gewählt.