Christian Uetz, Engel der Illusion

Für den Secession Verlag hat die Lektorin diesen Gedichtband Korrektur gelesen. Und ja, auch in Gedichtbänden treibt bisweilen der Fehlerteufel sein Unwesen …

Christian Uetz
Engel der Illusion
Gedichte
gebunden ohne Schutzumschlag
128 Seiten, 20,00 €
ISBN 978-3-906910-28-4

»Engel der Illusion«, das sind »Engel des brennenden Scheins«. Ihr Schein ist kein bloßer, kein leerer, er ist vielmehr ein Scheinen, dessen Medium die Sprache ist. Denn durch die Sprache sind wir in das gestellt, was nicht ist, und doch erfahren wir das, was ist, allein durch sie. Nur durch die Sprache sind wir in der Welt, nur durch die Sprache sind wir ihr für immer entrückt. Entrückt wohin? In die Welt der Scheins, Welt der Lüste und des Leids, der Leidenschaft und Kontemplation, der phantastischen Geschichten und der Poesie.

Mit seinen bildgewaltigen, selbstverlorenen und dabei tief nachdenklichen Gedichten sucht Christian Uetz in der Sprache nach der verborgenen Präsenz dieser Engel der Illusion, um ihr Scheinen erfahrbar zu machen. Was seine Texte so hervorbringen, sind Ekstasen der Sinnlichkeit und die Trunkenheit der Vernunft. Es ist der Wahnsinn des Tages.

Spielerisch und doch souverän kreisen diese Gedichte um gewichtige Themen, um die Präsenz des anderen im Selbst, um Anwesenheit und Abwesenheit, um Negativität und Transzendenz. Ihr Fluchtpunkt bleibt dabei stets eine mitreißende Affirmation des Lebens und der Sinnlichkeit, ein Lob der Sprache als derjenigen Kraft, welche die Illusion als Wahrheit, das Jenseits als Teil des Diesseits erkennbar macht.

Christian Uetz, geboren 1963 in Egnach, ist ein philosophischer Poet und lebt in Zürich. Nach einer Ausbildung zum Lehrer studierte er Philosophie, Komparatistik und Altgriechisch an der Universität Zürich. 2010 erhielt er den Bodensee-Literaturpreis für sein bisheriges literarisches Gesamtwerk. Seine Performanceauftritte sind legendär! ER veröffentlichte drei Romane: »Nur Du, und nur Ich« (2011), »Sunderwarumbe – Ein Schweizer Requiem« (2012) und »Es passierte« (2015)

Leipziger Buchmesse 2018

Die Lektorin wird alle Tage in Leipzig sein, dort aber ohne feste Standzuordnung zwischen ihren Terminen durch die Hallen streifen. Wer sie also treffen und sich nicht auf sein*ihr Glück verlassen möchte, möge sich am besten im Vorfeld bei ihr melden.

Die Bücher, an denen die Lektorin mitgewirkt hat, laufen natürlich nicht durch die Hallen, sondern finden sich in diesem Jahr gleich an fünf Messeständen:

  • Guggolz Verlag: Halle 5, G104
  • Salis Verlag: Halle 5, H301
  • Secession Verlag: Halle 4, C300
  • Verbrecher Verlag: Halle 5, G204
  • Voland & Quist: Halle 5, G114

Außerdem werden die Bücher verschiedentlich auf bzw. während der Messe vorgestellt. Hier sind die gesammelten Termine und einige Empfehlungen:

Donnerstag, 15. März

  • 13:30 Uhr: Sebastian Guggolz stellt auf dem Nordischen Forum (Halle 4, C400) »Jung entschlafen« von Frans Eemil Sillanpää vor.
  • 15:00 Uhr: Sebastian Guggolz stellt gemeinsam mit dem Übersetzer Ulrich Sonnenberg auf dem Nordischen Forum (Halle 4, C400) »Himmerlandsvolk« von Johannes V. Jensen vor.
  • 19:30 Uhr: Im Rahmen des Sonar-Spezial von Voland & Quist wird neben dem Autor Andrej Nikolaidis auch »Spiele ohne Grenzen« von Andrej Skubic vorgestellt (Horns Erben, Arndtstraße 33, 04275 Leipzig).
  • 21:00 Uhr: Der große VQ-Abend mit Nora Gomringer (»#poesie«), Julius Fischer und Anna Herzig (»Sommernachtsreigen«) (Horns Erben, Arndtstraße 33, 04275 Leipzig).
  • Im Rahmen von L3 – Lange Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei (ab 19:00 Uhr) liest um 22:00 Uhr in der Veranstaltungstonne Anna Herzig aus »Sommernachtsreigen« (Moritzbastei, Universitätsstraße 9, 04109, Leipzig).

Freitag, 16. März

  • 11:30 Uhr: Wei Zhang liest aus und spricht über »Eine Mango für Mao« (Forum DIE UNABHÄNGIGEN Halle 5, Stand H309).
  • 13:30 Uhr: Anna Herzig liest aus »Sommernachtsreigen« (Leseinsel Junge Verlage Halle 5, Stand G200).
  • 16:00 Uhr: Wei Zhang liest aus und spricht über »Eine Mango für Mao« (Schweizer Gemeinschaftsstand Halle 4, Stand C300).
  • 16:00 Uhr: Nora Gomringer und Martin Beyer sprechen über »#poesie« (Das Blaue Sofa, Glashalle).
  • 19:30 Uhr: Gerd Busse, Ulrich Faure und Wolfgang Schiffer sprechen über und lesen aus: J. J. Voskuil, »Das Büro. Band 7: Der Tod des Maarten Koning« (Sächsisches Psychiatriemuseum, Mainzer Straße 7, 04109 Leipzig).

Im Rahmen der immer jedem*jeder empfohlenen UV – Lesung der unabhängigen Verlage ab 20:00 Uhr im Lindenfels Westflügel (Hähnelstraße 27, 04177 Leipzig) werden gleich zwei Bücher vorgestellt:

  • 21:30 Uhr: Wei Zhang liest aus »Eine Mango für Mao«.
  • 23:00 Uhr: Anna Herzig liest aus »Sommernachtsreigen«.

Anschließend wird schon fast traditionell bei der Party der Jungen Verlage (ab 22 Uhr) im Felsenkeller (Karl-Heine-Str. 32, 04229 Leipzig) weitergefeiert.

Samstag, 17. März

  • 19:00 Uhr: Sabine Scholl liest aus und spricht über »Das Gesetz des Dschungels« (Clown-Museum, Breite Straße 22, 04317 Leipzig).

 

Außerdem seien wirklich jedem*jeder die Veranstaltungen von #verlagegegenrechts empfohlen, die von der Lektorin unterstützt werden. Eine laufend aktualisierte Veranstaltungsliste findet sich hier.

 

Die Lektorin freut sich auf ganz viele tolle Bücher und Büchermenschen!

Garrard Conley, Boy Erased

Für den Secession Verlag durfte die Lektorin dieses Buch Korrektur lesen: die autobiografische Erzählung von Garrard Conley.

Der Sohn eines Baptistenpredigers, selbst sehr religiös, ist homosexuell. Nachdem er geoutet wird, entscheidet er sich für eine „Umerziehung“ bei der christlich-fundamentalistischen Organisation Love in Action …

Garrard Conley
Boy Erased
Autobiografische Erzählung
(OT: Boy Erased. A Memoir)
aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von André Hansen
gebunden ohne Schutzumschlag
335 Seiten; 25,00 €
ISBN 978-3-906910-26-0

Was bleibt, wenn einem alles genommen, wenn sogar die Identität ausradiert werden soll? Wie erinnert man sich an die Zeit, in der man ausgelöscht werden sollte?

2004 in Arkansas im sogenannten Bible Belt der USA: Ein Bekannter outet den neunzehnjährigen Garrard Conley gegen seinen Willen vor den Eltern als homosexuell. Seit Jahren schon kämpft Conley gegen die Scham, die ihm als einzigem Sohn eines Baptistenpredigers eingeimpft ist. Er selbst ist tief verwurzelt in einer christlich-fundamentalistischen Gemeinde, in einer Gesellschaft, die die Bibel beim Wort nimmt, in der nichts geduldet wird, was nicht der unabänderlichen Norm entspricht. Unvermittelt steht er vor der Entscheidung seines Lebens: Stimmt er einer Konversionstherapie zu, einem kirchlichen Programm, das ihn in zwölf Schritten von seiner Homosexualität ›heilen‹, von unreinen Trieben säubern, seinen Glauben festigen und aus ihm einen Ex-Gay machen soll, oder riskiert er, seine Familie, seine Freunde und den Gott, zu dem er an jedem Tag seines Lebens gebetet hat, zu verlieren? Soll er sein äußeres Leben auslöschen oder sein Inneres?

Garrard Conley spürt den komplexen Beziehungen von Familie, Glauben und Gemeinschaft nach und zeichnet dabei ein Bild von einem Amerika, mit dem wir heute mehr denn je konfrontiert sind. Doch Conley versucht dabei auch stets, jene zu verstehen, die ihm aus gutem Glauben heraus so viel Schmerz zugefügt haben.

Dieser Lebensbericht lässt einen frieren angesichts der Kälte, mit der Fundamentalisten in den USA anderen ihre Ideologie überstülpen. Aber »Boy Erased« ist auch ein Zeugnis der Liebe, die trotzdem überleben kann.

Garrard Conley (geb. 1985) wuchs in einer christlich-fundamentalistischen Gemeinde in Arkansas auf. Er studierte Kreatives Schreiben und Queer Theory an der University of North Carolina und hat Erzählungen und journalistische Arbeiten im Time Magazine, in der VICE, auf CNN und BuzzFeed veröffentlicht. »Boy Erased« ist seine erste Buchveröffentlichung und wurde hochkarätig besetzt von Hollywood verfilmt. Der Kinostart ist für Dezember 2018 geplant. Garrad Conley lebt und unterrichtet in Brooklyn, New York.

Frans Eemil Sillanpää, Jung entschlafen

Zu Weihnachten hat sich der Guggolz Verlag dieses Buch selbst geschenkt, und die Lektorin hat es sehr gerne Korrektur gelesen …

Das Belegexemplar im herbstlichen Garten

Frans Eemil Sillanpää
Jung entschlafen
OT: Nuorena nukkunut (1931)
Aus dem Finnischen von Reetta Karjalainen
Nachwort von Sebastian Guggolz
409 Seiten, 24 €
Gebunden, fadengeheftet und mit Lesebändchen
ISBN 978-3-945370-14-8

Frans Eemil Sillanpää (1888–1964) hat mit »Jung entschlafen« seiner großen finnischen Erzählung einen weiteren Baustein zugefügt. Der Schwindsuchttod des 22-jährigen schönen Landmädchens Silja steht am Anfang des Romans und auch am Ende. Sein Untertitel lautete »Eines Stammbaums letzter Trieb«, und der Roman beginnt mit dem Unglück der Eltern, einfacher Bauern, die ihren Hof verlieren und nacheinander sterben. Silja, die einzige Tochter, muss sich nun als Dienstmädchen auf fremden Höfen durchschlagen, bis sie in den Haushalt eines freundlichen alleinstehenden Professors kommt. Dort erlebt sie zu Mittsommer ihre erste Liebe mit dem Studenten Armas, der zur Sommerfrische aufs Land gekommen ist. Armas zieht aber am Ende des Sommers in den Krieg und wird verwundet. Auch an Silja geht das Kriegsjahr 1917 nicht spurlos vorüber, sie gerät zwischen die Fronten, weil sie ihrer inneren Stimme der Menschlichkeit folgt und sich von keiner Partei vereinnahmen lässt.

Auch Sillanpää schlägt sich auf keine Seite, sondern bleibt ganz nah bei seiner Protagonistin Silja, deren Schicksal wir Leser dadurch hautnah miterleben. Er lässt mit seiner unnachahmlichen Sensibilität für die Figuren aber auch für die Beschreibungen der Emotionen die Aufregung der ersten Liebe, die widersprüchlichen Gefühle in der Mittsommernacht und die Traurigkeit über das Scheitern so greifbar vor uns Lesern entstehen, dass wir uns mitten hineinversetzt sehen. Reetta Karjalainen hat erstmals die vollständige Fassung ins Deutsche gebracht, die uns Sillanpääs ganze Kunst der Einfühlung und der Zuneigung den Menschen gegenüber vor Augen führt.

Frans Eemil Sillanpää (1888–1964) ist der bisher einzige finnische Literaturnobelpreisträger. Als Sohn einfacher Hofbesitzer wurde er zur Schulbildung ans Gymnasium nach Tampere und anschließend für ein Studium der Medizin an die kaiserliche Alexander-Universität nach Helsinki geschickt. Er brach das Studium ab, kehrte zurück aufs Land, gründet dort eine Familie und begann literarisch zu arbeiten. 1919 entstand der Roman »Frommes Elend«. 1923 »Hiltu und Ragnar« ein kurzer Spin-Off-Roman, in dem Sillanpää das Schicksal von Hiltu, einer Nebenfigur aus »Frommes Elend«, weiterverfolgte. 1931 nahm er den Faden wieder auf und schrieb mit »Jung entschlafen« das Gegenstück zu »Frommes Elend«, das in der gleichen Zeit spielt und das junge Hausmädchen Silja als Protagonistin hat. 1939 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur zugesprochen, für den er seit 1930 wiederholt vorgeschlagen worden war. Er verfiel dem Alkohol, verbrachte die Jahre 1940 bis 1943 in der Psychiatrie und schrieb danach so gut wie gar nicht mehr. Dennoch blieb er in Finnland bis zu seinem Tod 1964 populär, weil er als »Taata Sillanpää« (Opa Sillanpää) immer zu Weihnachten im nationalen Radio sprach.