Martina Caluori hat ein sehr lyrisches Buch geschrieben, das stark mit Verknappungen arbeitet.
Das Lektorat eines solchen Textes ist für die Lektorin immer eine besondere Herausforderung – umso schöner, wenn die Autorin und sie dann so harmonieren wie in diesem Fall.

Martina Caluori
Schatten der Pinus
lectorbooks
Hardcover
144 Seiten, 22 €
ISBN 978-3-907709-27-6
»Schatten der Pinus« führt auf einen fast verlassenen Campingplatz irgendwo am Meer: Die alte Dame trägt das stille Gedächtnis vergangener Generationen; Phine ringt mit dem Tod von Mutter; Bo kämpft mit dem Erbe eines repressiven Glaubens. Jochen wiederum wurde von seiner Frau und den Kindern verlassen, S. und Vira erhalten eine Stimme für die Brüche durch Kriege und Konflikte.
Zwischen Kiefern (Pinus) und Gischt entfaltet sich ein Beziehungs- und Erinnerungsgeflecht, das nicht linear, sondern in zersplitterten Strömen erzählt wird. Caluoris Roman, in dem erzählerische Passagen raffiniert mit lyrischen und mehrsprachigen Einschüben vermengt werden, durchbricht traditionelle Erzählstrukturen und spiegelt das komplexe Zusammenspiel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wider.
»Schatten der Pinus« ist ein Roman, der für ganz Europa spricht: leise, genau, unerbittlich. In der Auseinandersetzung mit Themen wie Heimatlosigkeit, Mutterfiguren, Vatererbe, Migration und der Mehrsprachigkeit in Erinnerung und Sprache spiegelt er die globalen Umbrüche unserer Zeit.
Martina Caluori lebt als Lyrikerin und Autorin in der Schweiz. Nach einem Studium der Publizistik und Filmwissenschaften debütierte sie 2019 mit dem Lyrikband »Frag den Moment«, gefolgt von Mundartlyrik für »Öpadia: A Novella us Graubünda« (2021) und 2022 von ihrem Kurzprosadebüt »Weisswein zum Frühstück«. 2023 erschien ihr Gedichtband mit Audiowerk »Ich weine am liebsten in Klos« (beide lectorbooks). Für ihren Debütroman »Schatten der Pinus« wurde sie mit dem Literarischen Werkbeitrag der Stadt Chur sowie mit dem Grossen Werkbeitrag des Kantons Graubünden ausgezeichnet.