Hilda Monte, »Die Einheit Europas« und andere Schriften

Die Lektorin ist immer wieder dankbar, wenn sie sich im Rahmen ihrer Arbeit mit so beeindruckenden Frauen beschäftigen darf – diesmal hat sie diesen Schriftenband im Auftrag der Gedenkstätte Deutscher Widerstand zusammen mit Gerd Kühling betreut.

Foto des Buches Hilda Monte, »Die Einheit Europas« und andere Schriften, herausgegeben von Andreas Wilkens. Das Buch, dessen Cover in Orange und Rot gehalten ist, zeigt ein Schwarz-Weiß-Porträt der erwachsenen Hilda Monte; sie trägt Brille, hat die Haare locker zusammengesteckt und schaut ernst in die Kamera. Das Bild liegt auf gelbem Stoff. Lektorat

Hilda Monte
»Die Einheit Europas« und andere Schriften
hg. v. Andreas Wilkens
(Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus 7)
Lukas Verlag
Hardcover, 495 Seiten, 15 Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen
29,80 €
ISBN 978-3-86732-482-3

Hilda Monte gehört zu den außergewöhnlichen und neu zu entdeckenden Frauen des deutschen Widerstandes und Exils. 1914 in Wien geboren, wuchs sie in Berlin-Wilmersdorf auf und engagierte sich in jungen Jahren im »Internationalen Sozialistischen Kampfbund« (ISK). Nach ersten Widerstandserfahrungen in Berlin und Köln ging sie zunächst ins Exil nach Paris (1934–1936), dann nach London. Wie viele politisch aktive Exilantinnen und Exilanten tauschte sie ihren Geburtsnamen – Hilde Meisel – gegen einen Widerstandsnamen ein: Hilda Monte.

Nach dem Ausscheiden aus dem ISK 1939 ging sie eigene Wege und entfaltete eine intensive politische Arbeit in Großbritannien. Aus dem sicheren London unternahm sie eine Reihe verdeckter Missionen in das NS-Reich zur praktischen Unterstützung von Widerstandskreisen. Die wiederholten Reisen waren für sie als Sozialistin, Jüdin und Frau mit extremem Risiko verbunden.

Ihren »doppelten Widerstand« führte Hilda Monte über die gesamte Dauer des NS-Regimes und bezahlte ihn am Ende mit ihrem Leben. Bei der Rückkehr von einer letzten Mission nach Österreich wurde sie am 17. April 1945 an der Grenze bei Feldkirch erschossen.

Der Band versammelt in Ergänzung zur zeitgleich erscheinenden Biografie von Andreas Wilkens einige von Montes markanten Schriften, die Anfang der 1940er Jahre entstanden, die hier erstmals in deutscher Sprache vorgelegt werden

Andreas Wilkens
Mit dem Leben bezahlt
Hilda Monte – eine Europäerin im Widerstand
(Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus 6)

Foto des Buches »Mit dem Leben bezahlt. Hilda Monte – eine Europäerin im Widerstand« von Andreas Wilkens. Das Buch, dessen Cover in Hell- und Dunkelblau gehalten ist, zeigt ein Schwarz-Weiß-Porträt der jungen Hilda Monte. Das Buch liegt auf hellblauem Stoff.

Im Oktober 1943 erschien ihr Hauptwerk »The Unity of Europe«, ein frühes Plädoyer für eine europäische Gemeinschaft als Bedingung für Frieden und wirtschaftliche Entwicklung. Beim Aufbau des von ihr erwarteten »besseren Deutschland«, geleitet von humanen Werten und sozialer Demokratie, sollte sie fehlen. Im deutschen Widerstand sucht er seinesgleichen als ausführliche Begründung der europäischen Einigung in der Nachkriegszeit. Ziel war die Überwindung »des alten Spiels der Souveränität«.

Ihr postum erschienenes zweites Hauptwerk »Wo die Freiheit zerbrach« erzählt von Spuren des Widerstandes, von geschundenen Menschen in der Diktatur, von der unzerstörbaren Hoffnung auf eine humane Welt. »Wenn wir fallen, sterben wir so, wie wir gelebt haben«, lässt sie die Erzählerin am Ende ihres Dialog-Romans sagen.

Andreas Wilkens, geboren 1957 in Hannover. Studium der Geschichte, Germanistik und Politischen Wissenschaften in Freiburg, Köln und Paris. 1989 Promotion in Geschichte am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz, 2001 Habilitation an der Université Paris III/Sorbonne-Nouvelle. 1990 Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut Paris, 1999 Maître de conférences an der Université d’Orléans, 2004 Professor für Zeitgeschichte an der Université de Lorraine/Metz.