Chaim Noll, Die Synagoge

Endlich ist der neue Roman von Chaim Noll da. Die zweite Zusammenarbeit der Lektorin mit diesem wunderbaren Autor!

Cover_Noll_Die SynagogeDie Synagoge
Chaim Noll
Leinen mit Lesebändchen
448 Seiten
Preis: 29,00 €
ISBN: 978-3-943167-77-1

Ein kleiner Ort mitten in der israelischen Wüste während der zweiten Intifada – hier stehen am Rand eines großen Kraters das Grab eines berühmten Politikers, mehrere wissenschaftliche Institute für Solarenergie und Wüstenforschung, eine Highschool sowie eine Militärbasis. Die Menschen, die hier leben, sind überwiegend Akademiker oder Verwaltungsangestellte – Juden und Christen aus aller Welt, die ihre Häuser mit Hilfe von Arbeitskräften aus den Palästinensergebieten bauen und erhalten oder die Traditionen der Beduinenstämme erforschen. Religion spielt in dem Leben der meisten von ihnen nur eine nachgeordnete Rolle.

Im Zentrum des Romans steht die prachtvolle, doch meist leere Synagoge des Ortes. Nur einige wenige, wie die Deutschen Abi und Livia – er Schriftsteller und Journalist, sie Malerin – oder der russischstämmige Paul aus England, dessen Mutter vor Kurzem gestorben ist, suchen hier Halt und Trost. Anderen aus der Nachbarschaft ist sie eher ein Dorn im Auge, so auch Holly, einem radikalen Veganer und Wehrdienstverweigerer, der nach einer langen Europareise mit Depressionen und Aggressionsschüben zu kämpfen hat …

Für Chaim Nolls neuen großen Roman gilt, was die taz über seinen Erzählungsband »Kolja« schrieb: Noll »zeichnet damit ganz unaufgeregt ein aufregendes und vielschichtiges Porträt der israelischen Gegenwartsgesellschaft – mit überraschenden Konfliktlinien jenseits der sattsam bekannten Stereotype. Und viel Raum für Hoffnung.«

Chaim Noll wurde 1954 in Ostberlin geboren. Sein Vater ist der Schriftsteller Dieter Noll. Er verweigerte den Wehrdienst in der DDR. 1983 reiste er nach Westberlin aus, 1991 verließ er mit seiner Familie Deutschland und lebte in Rom. Seit 1995 lebt er in Israel.

Veröffentlichungen, u. a.: „Der Abschied“ (1985), „Unheimliche Tage“ (1987), „Berliner Scharade“ (1987), „Der goldene Löffel“ (1989, wieder Verbrecher Verlag 2009), „Nachtgedanken über Deutschland“ (1992), „Taube und Stern. Roma Hebraica. Eine Spurensuche“ (1994), „Die Wüste lächelt“ (2001), „Meine Sprache wohnt woanders. Gedanken zu Deutschland und Israel“ (mit Lea Fleischmann, 2006). Im Verbrecher Verlag erschienen die Romane „Der Kitharaspieler“ (2008) und „Feuer“ (2010) sowie der Erzählungsband „Kolja. Geschichten aus Israel“ (2012).

Lektorat Wengorz auf der Leipziger Buchmesse

Druck

Auch dieses Jahr wird die Lektorin vom 13. bis 16. März auf der Leipziger Buchmesse zu finden sein – vor allem am Stand des Verbrecher Verlags in Halle 5, D 208, wo sie gerne über die von ihr betreuten Buchprojekte redet.

Sie freut sich darauf, ganz viele Kollegen, Autoren und Freunde zu treffen!

Und auch 2014 ist die Buchmesse wieder aufregend, denn der Verbrecher Verlag erhält den Kurt-Wolff-Preis! Gleich zwei Veranstaltungen widmen sich am Freitag, dem 14. März, diesem Ereignis:

13.00 Uhr: Preisverleihung der Kurt-Wolff-Preise 2014logo KWS
Der Verbrecher Verlag erhält den Hauptpreis, der Mairisch Verlag den Förderpreis. Begrüßung: Stefan Weidle (Stiftungsvorsitzender), Laudatio: Dietmar Dath (Schriftsteller)
Messegelände: Berliner Zimmer / Halle 5 / Stand E 315

20.00 Uhr: Kurt-Wolff-Abend – Vorstellung der Preisträger
Der Stiftungsvorsitzende Stefan Weidle im Gespräch mit den ausgezeichneten Verlegern Jörg Sundermeier (Verbrecher Verlag) und  Daniel Beskos (mairisch Verlag) sowie ihren Autoren. Lesung: Dietmar Dath liest aus “Mensch wie Gras wie”, Finn-Ole Heinrich liest aus einer unveröffentlichten Erzählung.
Connewitzer Verlagsbuchhandlung / Specks Hof / Schuhmachergäßchen 4 / 04109 Leipzig

Die letztere Veranstaltung kollidiert leider mit der wunderbaren Lesung der unabhängigen Verlage (20:00 bis 24:00 Uhr) im Westflügel der Schaubühne Lindenfels, Hähnelstr. 27, 04177 Leipzig, die jedem/jeder sehr ans Herz gelegt sei!

Aber vielleicht treffen sich ja alle anschließend auf der Party der jungen Verlage (ab 22:00 Uhr) im Schauspielhaus, Garderobenfoyer, Bosestraße 1, 04109 Leipzig (Zentrum).

Dann gibt es natürlich noch ganz viele tolle Lesungen und Veranstaltungen mit Autoren, die aus Büchern lesen, die die Lektorin betreut hat. Dabei sind: Benjamin Stein, Sarah Schmidt, Milo Rau, Dietmar Dath sowie Barbara Kalender und Jörg Schröder. Eine genaue Terminübersicht findet sich hier.

Neuerscheinungen zur Buchmesse

Zur Leipziger Buchmesse trudeln gleich drei Neuerscheinungen auf einmal im Verbrecher Verlag ein, an denen die Lektorin die letzten Monate gearbeitet hat. Und: Eine ist schöner als die andere!

  • Das Buch mit dem schönsten Cover und den schönsten Bildern ist sicher die Graphic Novel von Dietmar Dath und Oliver Scheibler. Außerdem ist es Dietmar Dath:

Cover_Dath_Scheibler_Mensch wie GrasMensch wie Gras wie
Dietmar Dath / Oliver Scheibler
Hardcover
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-943167-76-4

»Mensch wie Gras wie« ist eine Graphic Novel über Forschung, Technik, Geld und Liebe. Die Biologin Elin Elwert arbeitet an gentechnisch veränderten Pflanzen und anderen Organismen – eine fundamentale Umwälzung der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie steht bevor. Elin lebt mit dem Bioinformatiker Thomas Schäfer zusammen – seelisch und körperlich aber gelingt es ihr nicht, die ältere, sehr komplizierte Beziehung zu Martin/Martina Riede loszulassen – eine Liebe, die sich nicht in die emotionalen und erotischen Standards einpassen lässt, die in Elins Arbeits- und sonstigem Lebensumfeld gelten.

Im Laufe der Handlung, die sich wie ein Puzzle aus Erinnerungen und intensiven Erlebnissen zusammensetzt, kollabiert die Sehnsucht nach einem anderen Leben als dem vorgefertigten: In einem Szenario, das den direkten Eingriff von Geld und Macht ins Lebendige als eine Katastrophe zeigt, die auch das Geld und die Macht nicht stabil kontrollieren können – und in der unerwartete Durchgänge in etwas anderes, etwas Unvorhergesehenes zu finden sind. Die Geschichte wird nicht als abstrakte, spekulative Anklage des Vorhandenen erzählt, sondern in visueller Traumschau, in Sprüngen, Trips, Schocks und Rätseln.

Im Anhang erzählt Dietmar Dath von der Verwandlung des Erzählens durch das praktische Zusammendenken von Bildern und Worten – ein persönlicher Bericht von den Überraschungen und dem Lernen beim Arbeiten an der Form »Comic«, wenn sie nicht einfach als Illustrationsverfahren, sondern als eigenständige Herausforderung an Schreiben, Denken und Empfinden ernst genommen wird.

  • Das Buch, das während der Arbeit der Lektorin die stärkste Veränderung erfahren hat, ist die komplette Überarbeitung des Debütromans von Benjamin Stein. Da ist die Lektorin wirklich stolz drauf.

Cover_Stein_Alphabet_220pxDas Alphabet des Rabbi Löw
Benjamin Stein
Leinen mit Lesebändchen, ca. 280 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-943167-79-5

Ein junger Mann trifft in seinem Stammlokal in Berlin-Kreuzberg einen Unbekannten, der sich ihm als ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk für seine Frau aufdrängt: Jeden Dienstagabend wird er bei ihnen vorbeikommen und ihnen eine Geschichte in Fortsetzungen erzählen – Bezahlung: eine Flasche Wodka. Mit seinen wundersamen Geschichten entführt er seine Zuhörer von Berlin nach Prag und Budapest und durch das gesamte 20. Jahrhundert. In ihnen geht es um himmlische Paläste und unterirdische Städte, um Engel und Propheten, es wird geliebt, gehasst, verflucht, gestorben und gemordet. Während die Männer noch nach Liebe oder Erkenntnis suchen, haben die Frauen bereits gewählt – und bleiben am Ende doch allein. Und im Hintergrund zieht der Hohe Rabbi Löw von Prag samt Golem die Strippen und führt Regie.

Benjamin Stein verknüpft geschickt die einzelnen Stränge der verzweigten Geschichte und führt uns ein in die Welt des Erzählens und der Buchstaben, auf denen die Welt beruht – bis Wirklichkeit und Erzählung nicht mehr zu unterscheiden sind.

Mit »Das Alphabet des Rabbi Löw« liegt jetzt eine Komplettüberarbeitung des Debütromans von Benjamin Stein vor. Die Sprache ist dichter geworden, die Handlung klarer – ein großartiges Leseerlebnis.

  • Das amüsanteste Buch, das die Lektorin wirklich jedem empfehlen kann, ist der wunderbare neue Roman von Sarah Schmidt:

Cover_Schmidt_Eine TonneEine Tonne für Frau Scholz
Sarah Schmidt
Hardcover, 220 Seiten
Preis: 19,00 €
ISBN: 978-3-943167-78-8

Nina Krone wohnt im letzten unsanierten Mietshaus der Gegend, klar, dass man hier noch mit Kohle heizt. Und keiner der Nachbarn ist unter 50 Jahre alt. Eines Tages kann sie es nicht mehr ertragen, das Leiden an der Welt, das ihre Nachbarin, Frau Scholz, vor sich herträgt. Um ihr demonstratives Schnaufen beim Kohleschleppen nicht mehr mit ansehen zu müssen, beginnt sie damit, ihr jeden Tag einen Eimer Briketts vor die Tür zu stellen. Das freut Frau Scholz zuerst gar nicht, doch dadurch kommen sie ins Gespräch …

Auch Nina hat ihr Päckchen zu tragen: Ihre Arbeit frustriert sie, ihr Chef wird immer seltsamer und ihre Freunde, tja, da gibt es nicht viele. Sie steckt in einer Sinnkrise, und zu allem Überfluss konfrontiert ihr Sohn Rafi sie mit der Nachricht, dass er und sein Freund zusammen mit einem lesbischen Pärchen ein Kind bekommen möchten. Ihre Tochter Ella wiederum wirkt so diszipliniert und nur auf ihr berufliches Fortkommen fixiert, geradezu unheimlich …

Sarah Schmidts Roman »Eine Tonne für Frau Scholz« erzählt von einer Freundschaft zwischen den Generationen und von einer Familie, die aus den Fugen gerät. Ihre lebensnahen Schilderungen und Dialoge sind – wie immer – voller Komik und doch ganz ernst.

Hate Radio

Endlich ist das erste Buch da, das aus der Zusammenarbeit der Lektorin mit dem IIPM hervorgeht. Und dabei darf sie sich dann sogar Redakteurin nennen:

Cover_Rau_Hate RadioHate Radio
Milo Rau
Broschur, 256 Seiten
Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-943167-06-1

1994 fand in Ruanda ein Genozid statt. Welche Rolle spielte dabei der angesagte Radiosender RTLM, der internationale und kongolesische Hits von den besten DJs spielen ließ und über die coolsten Moderatoren des Landes verfügte? Wie kam es, dass gerade hier zum Massenmord an den Angehörigen der Tutsi-Minderheit und an gemäßigten Hutu aufgerufen wurde?

In seiner literarischen Dokumentation »Hate Radio« lässt Milo Rau Täter, Opfer und Augenzeugen zu Wort kommen und sucht nach den Ursachen und Entstehungsbedingungen des unvorstellbaren Genozids in Ruanda. Mehr Informationen zum Buch gibt es hier.

Das International Institute of Political Murder (IIPM) hat »Hate Radio« als Projekt mit Performance, Ausstellung, Film und Buch umgesetzt. Das IIPM wurde im Jahr 2007 mit Sitz in Berlin und Zürich gegründet, um den Austausch zwischen Theater, bildender Kunst, Film und Forschung auf dem Gebiet des Reenactments  – der Re-Inszenierung geschichtlicher Ereignisse – zu intensivieren und theoretisch zu reflektieren. Weitere Informationen zum IIPM unter: international-institute.de.

Am 6. April wird dann erstmals der Film »Hate Radio« von Milo Rau über sein gleichnamiges Theaterstück ausgestrahlt. Die Lektorin vermutet, dass der Film auf 3sat gezeigt wird – konnte das aber noch nicht verifizieren.