Archiv des Autors: Kristina Wengorz

Martina Caluori, Schatten der Pinus

Martina Caluori hat ein sehr lyrisches Buch geschrieben, das stark mit Verknappungen arbeitet.
Das Lektorat eines solchen Textes ist für die Lektorin immer eine besondere Herausforderung – umso schöner, wenn die Autorin und sie dann so harmonieren wie in diesem Fall.

Das Buch »Schatten der Pinus« von Martina Caluori, auf dessen weißem Cover das Foto eines weißen runden Campinganhängers zu sehen ist. Er steht in der Abenddämmerung vor einer Reihe lichter Kiefern, hinter seinen Fenstern brennt Licht, vor ihm steht ein Campingtisch mit zwei Stühlen. Das Buch liegt auf braunen Kiefernnadeln, eine hat sich auf das Buch »verirrt«. Lektorat

Martina Caluori
Schatten der Pinus
lectorbooks
Hardcover
144 Seiten, 22 €
ISBN 978-3-907709-27-6

»Schatten der Pinus« führt auf einen fast verlassenen Campingplatz irgendwo am Meer: Die alte Dame trägt das stille Gedächtnis vergangener Generationen; Phine ringt mit dem Tod von Mutter; Bo kämpft mit dem Erbe eines repressiven Glaubens. Jochen wiederum wurde von seiner Frau und den Kindern verlassen, S. und Vira erhalten eine Stimme für die Brüche durch Kriege und Konflikte.

Zwischen Kiefern (Pinus) und Gischt entfaltet sich ein Beziehungs- und Erinnerungsgeflecht, das nicht linear, sondern in zersplitterten Strömen erzählt wird. Caluoris Roman, in dem erzählerische Passagen raffiniert mit lyrischen und mehrsprachigen Einschüben vermengt werden, durchbricht traditionelle Erzählstrukturen und spiegelt das komplexe Zusammenspiel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wider.

»Schatten der Pinus« ist ein Roman, der für ganz Europa spricht: leise, genau, unerbittlich. In der Auseinandersetzung mit Themen wie Heimatlosigkeit, Mutterfiguren, Vatererbe, Migration und der Mehrsprachigkeit in Erinnerung und Sprache spiegelt er die globalen Umbrüche unserer Zeit.

Martina Caluori lebt als Lyrikerin und Autorin in der Schweiz. Nach einem Studium der Publizistik und Filmwissenschaften debütierte sie 2019 mit dem Lyrikband »Frag den Moment«, gefolgt von Mundartlyrik für »Öpadia: A Novella us Graubünda« (2021) und 2022 von ihrem Kurzprosadebüt »Weisswein zum Frühstück«. 2023 erschien ihr Gedichtband mit Audiowerk »Ich weine am liebsten in Klos« (beide lectorbooks). Für ihren Debütroman »Schatten der Pinus« wurde sie mit dem Literarischen Werkbeitrag der Stadt Chur sowie mit dem Grossen Werkbeitrag des Kantons Graubünden ausgezeichnet.

Alisha Gamisch, Parasiti

Und auch bei diesem Frühjahrstitel von Voland & Quist hat die Lektorin das Korrektorat übernommen …

Das Buch »Parasiti« von Alisha Gamisch, auf dessen Cover eine pink-schwarzes Geschling, eventuell eine Pflanze oder ein Wesen mit so etwas wie Tentakeln, zu sehen ist, liegt in ein grau-weißen sehr flauschigen Schal und wird von allen Seiten von dessen Fransen »bedroht«.

Alisha Gamisch
Parasiti
Roman
Voland & Quist
Hardcover
240 Seiten, 24 €
ISBN 978-3-86391-466-0

Ein Brief sorgt für Aufruhr im Leben von Rina, ihrer Tante Valli und ihrer Großmutter Lydia: Von einem Tag auf den anderen verstummt die Großmutter. Rina beginnt, Fragen zu stellen – und bringt gegen alle Widerstände ein Gespräch zwischen den Generationen in Gang. Denn sie ahnt, dass sie von ihrer Familie nicht nur die eckige Figur und die Vorliebe für Vorabendserien geerbt hat, sondern auch ihre Ängste und Unsicherheiten.

Zwischen Novosibirsk der 1960er-Jahre und dem Fürstenfeldbruck einer nahen Gegenwart folgt Alisha Gamisch in ihrem Debütroman den Lebenswegen dreier russlanddeutscher Frauen.

Alisha Gamisch studierte in München und London Anglistik und Germanistik und lebt heute in Berlin. Ihr erster Gedichtband »Lustdorf« (Verlagshaus Berlin, 2020) wurde vom Haus für Poesie zu den besten Lyrikdebüts des Jahres gewählt. 2022 erhielt sie den Nora-Pfeffer-Preis für Lyrik des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland, 2023 war sie Stipendiatin der Romanwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. Sie ist Gründungsmitglied des feministischen Vereins Wepsert e. V. sowie Mitkuratorin und Moderatorin der Lesungs- und Diskussionsreihe »PostOst-Café« im Maxim Gorki Theater Berlin. Seit 2025 ist sie Teil der literarischen Girlband No Scribes. »Parasiti« ist ihr Debütroman.

Anke Engelmann, Blender

Bei diesem Roman mit recht eigenwillig unzuverlässigem Ich-Erzähler hat die Lektorin das Korrektorat übernommen.

Foto des Buches. Das Cover ist rot mit blauer Schrift, es zeigt das farbverfremdete Foto eines kleinen Jungen, der einen Gartenzwerg in die Luft hält und anstrahlt. Das Buch liegt auf rotem Stoff, um es herum sind zwei Behälter mit Farbpigmenten (weiß und blau), ein Farbtopf (Farbbezeichnung ultramarin) sowie drei Pinsel drapiert.

Anke Engelmann
Blender
Roman
Voland & Quist
Hardcover, 224 Seiten, 23 €
ISBN: 978-3-86391-454-7

Hannes Bohn will nur eins: als Künstler leben. Doch für so einfache Wünsche ist die DDR zu eng. Hannes landet im Gefängnis, drogensüchtig und hoch verschuldet. Wenig später entdeckt die Stasi seine Begabung und bildet ihn zum Kunstfälscher aus. Erneut scheitert Hannes, diesmal an seiner Redlichkeit: Heimlich fälscht er ein Renaissance-Gemälde, um das Original vor dem Verkauf ins Ausland zu retten.

Anke Engelmann zeichnet das traurig-komische Leben eines Mannes nach, der durch die DDR-Geschichte stolpert. Er blufft sich durch Gefängnis, Psychiatrie und Untergrund, bis er selbst nicht mehr weiß, wer er wirklich ist: ein Bild, so oft übermalt, dass niemand mehr das Original erkennt. Ist Hannes ein tragisches Genie, ein Blender – oder beides zugleich?

Anke Engelmann, 1966 in Weimar geboren, wo sie heute lebt und arbeitet, hat nach ihren Erfahrungen in vielfältigen Jobs Sprachwissenschaft studiert und ist gelernte Journalistin. Seitdem ist das Schreiben ihre Profession: Unter dem Namen »Büro für angewandte Poesie« verfasst sie eigene und lektoriert fremde Texte, hält Kurse für Kreatives Schreiben und unterrichtet Menschen mit Behinderung im Lesen und Schreiben. 2021 erschien bei Edition Schwarzdruck ihr Erzählband »Eiapopeia im Prenzelberg«.

Hilda Monte, »Die Einheit Europas« und andere Schriften

Die Lektorin ist immer wieder dankbar, wenn sie sich im Rahmen ihrer Arbeit mit so beeindruckenden Frauen beschäftigen darf – diesmal hat sie diesen Schriftenband im Auftrag der Gedenkstätte Deutscher Widerstand zusammen mit Gerd Kühling betreut.

Foto des Buches Hilda Monte, »Die Einheit Europas« und andere Schriften, herausgegeben von Andreas Wilkens. Das Buch, dessen Cover in Orange und Rot gehalten ist, zeigt ein Schwarz-Weiß-Porträt der erwachsenen Hilda Monte; sie trägt Brille, hat die Haare locker zusammengesteckt und schaut ernst in die Kamera. Das Bild liegt auf gelbem Stoff. Lektorat

Hilda Monte
»Die Einheit Europas« und andere Schriften
hg. v. Andreas Wilkens
(Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus 7)
Lukas Verlag
Hardcover, 495 Seiten, 15 Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen
29,80 €
ISBN 978-3-86732-482-3

Hilda Monte gehört zu den außergewöhnlichen und neu zu entdeckenden Frauen des deutschen Widerstandes und Exils. 1914 in Wien geboren, wuchs sie in Berlin-Wilmersdorf auf und engagierte sich in jungen Jahren im »Internationalen Sozialistischen Kampfbund« (ISK). Nach ersten Widerstandserfahrungen in Berlin und Köln ging sie zunächst ins Exil nach Paris (1934–1936), dann nach London. Wie viele politisch aktive Exilantinnen und Exilanten tauschte sie ihren Geburtsnamen – Hilde Meisel – gegen einen Widerstandsnamen ein: Hilda Monte.

Nach dem Ausscheiden aus dem ISK 1939 ging sie eigene Wege und entfaltete eine intensive politische Arbeit in Großbritannien. Aus dem sicheren London unternahm sie eine Reihe verdeckter Missionen in das NS-Reich zur praktischen Unterstützung von Widerstandskreisen. Die wiederholten Reisen waren für sie als Sozialistin, Jüdin und Frau mit extremem Risiko verbunden.

Ihren »doppelten Widerstand« führte Hilda Monte über die gesamte Dauer des NS-Regimes und bezahlte ihn am Ende mit ihrem Leben. Bei der Rückkehr von einer letzten Mission nach Österreich wurde sie am 17. April 1945 an der Grenze bei Feldkirch erschossen.

Der Band versammelt in Ergänzung zur zeitgleich erscheinenden Biografie von Andreas Wilkens einige von Montes markanten Schriften, die Anfang der 1940er Jahre entstanden, die hier erstmals in deutscher Sprache vorgelegt werden

Andreas Wilkens
Mit dem Leben bezahlt
Hilda Monte – eine Europäerin im Widerstand
(Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus 6)

Foto des Buches »Mit dem Leben bezahlt. Hilda Monte – eine Europäerin im Widerstand« von Andreas Wilkens. Das Buch, dessen Cover in Hell- und Dunkelblau gehalten ist, zeigt ein Schwarz-Weiß-Porträt der jungen Hilda Monte. Das Buch liegt auf hellblauem Stoff.

Im Oktober 1943 erschien ihr Hauptwerk »The Unity of Europe«, ein frühes Plädoyer für eine europäische Gemeinschaft als Bedingung für Frieden und wirtschaftliche Entwicklung. Beim Aufbau des von ihr erwarteten »besseren Deutschland«, geleitet von humanen Werten und sozialer Demokratie, sollte sie fehlen. Im deutschen Widerstand sucht er seinesgleichen als ausführliche Begründung der europäischen Einigung in der Nachkriegszeit. Ziel war die Überwindung »des alten Spiels der Souveränität«.

Ihr postum erschienenes zweites Hauptwerk »Wo die Freiheit zerbrach« erzählt von Spuren des Widerstandes, von geschundenen Menschen in der Diktatur, von der unzerstörbaren Hoffnung auf eine humane Welt. »Wenn wir fallen, sterben wir so, wie wir gelebt haben«, lässt sie die Erzählerin am Ende ihres Dialog-Romans sagen.

Andreas Wilkens, geboren 1957 in Hannover. Studium der Geschichte, Germanistik und Politischen Wissenschaften in Freiburg, Köln und Paris. 1989 Promotion in Geschichte am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz, 2001 Habilitation an der Université Paris III/Sorbonne-Nouvelle. 1990 Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut Paris, 1999 Maître de conférences an der Université d’Orléans, 2004 Professor für Zeitgeschichte an der Université de Lorraine/Metz.