Archiv des Autors: Kristina Wengorz

Manuel Karasek, Mirabels Entscheidung

Manuel Karasek Mirabels EntscheidungDieses Buch hat die Lektorin im Verbrecher Verlag schon lange begleitet, bevor sie selbst es bearbeitet hat, weshalb sie sich umso mehr freut, es endlich in den Händen zu halten:

Cover_Karasek_Mirabels EntscheidungManuel Karasek
Mirabels Entscheidung
Hardcover, 248 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-95732-193-0

Der junge Javier Torzek steht gemeinsam mit seiner Mutter Mirabel im Januar 1979 im Hamburger Hafen. Beide werden mit einem alten Frachter nach Venezuela fahren. In ein Land, dem Mirabel vor zwanzig Jahren unfreiwillig den Rücken kehrte, um in Deutschland einen wichtigen Punkt im Familienplan zu erfüllen – sich einen wohlhabenden Mann zu angeln. Stattdessen heiratete sie den mittellosen Deutschlehrer und Journalisten Hanns Torzek.

Ihre chaotische Beziehung bildet den Mittelpunk von Manuel Karaseks Debütroman »Mirabels Entscheidung«. Er beschreibt die Fremdheit und die soziale Unsicherheit, die diese Ehe prägen. Beide versuchen, auf unterschiedliche Weise das grundlegende Gefühl von Fremdheit abzulegen und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Dabei werden die Gegensätze ihres Hintergrunds deutlich: Hier das wohlhabende, hochmoderne Industrieland, in dem Hanns Karriere machen wird. Dort eine junge lateinamerikanische Gesellschaft, die das unerwartete Geschenk ihres Erdölreichtums allmählich als Fluch begreift.

Manuel Karasek erzählt in diesem großen Familienporträt von kleinen Hoffnungen und großen Träumen, schildert das Leben zwischen zwei Kulturen und wirft die Frage auf, wo »Heimat« ist.

Manuel Karasek wurde 1967 in Stuttgart geboren. Er wuchs in Hamburg und Caracas auf, 1988 machte er das Abitur auf der Jahn-Gesamtschule Hamburg. 1995 veröffentlichte er den Erzählband »El Tigre«. Für diesen erhielt er den Förderpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung. 1998 erhielt er ein Stipendium des Landes Baden-Würtemberg, 1999 eines des Literarischen Colloquiums Berlin. Seit 2000 lebt Manuel Karasek in Berlin. »Mirabels Entscheidung« ist sein erster Roman.

Antanas Škėma und Harry Martinson

Skema_MartinsonDie Lektorin durfte das Frühjahrsprogramm des Guggolz Verlags Korrektur lesen. Sie freut sich sehr, dass beide Bücher jetzt erschienen sind – sie sind so schön geworden!

Cover SkemaAntanas Škėma
Das weiße Leintuch
OT: Balta drobulė, 1958
Aus dem Litauischen von Claudia Sinnig
Mit einem Nachwort von Jonas Mekas
256 Seiten, € 21 [D] | € 21,50 [A]
Gebunden, fadengeheftet und mit Lesebändchen
ISBN 978-3-945370-10-0

Antanas Škėma (1910–1961) hinterließ einen Roman, der bis heute bedeutenden Einfluss auf die litauische Literatur ausübt: »Das weiße Leintuch«. Geschrieben zwischen 1952 und 1954, wurde er noch nie zuvor ins Deutsche übersetzt. Der Protagonist Antanas Garšva, ein litauischer Exilschriftsteller, arbeitet als Liftboy in einem vielstöckigen New Yorker Hotel. Antanas Garšva, Alter Ego von Antanas Škėma, ist vor den Sowjets aus Litauen geflohen, hadert aber mit der bigotten litauischen Leitkultur und der Trivialität der amerikanischen Konsumgesellschaft. In Rückblenden und Reflexionen versucht er seinen dramatischen Lebensweg zu verarbeiten und ihm einen Sinn zu geben, in der New Yorker Gegenwart findet er sich verstrickt in ein Dreiecksverhältnis mit seiner Geliebten Elena und ihrem Ehemann.

Aus den aufwühlenden Episoden ergibt sich ein Puzzle des 20. Jahrhunderts, das Škėma mit kraftvollem sprachlichem Reichtum schildert – ein Wirbel an Wahrnehmungen und Erinnerungen, die über Garšva hereinbrechen, um deren Bewältigung er mit immer neuen literarischen Anläufen ringt. Eindrücke von den Straßen New Yorks, Liedverse und Reminiszenzen an Litauen drängen assoziativ in den Text hinein, treiben den Protagonisten voran, bedrängen ihn. »Das weiße Leintuch« erzählt aber auch von der Verantwortung des Schriftstellers in einer unsicheren Welt, von Formen der Anpassung und Möglichkeiten des Widerstands. In der alle Register ausschöpfenden Übersetzung von Claudia Sinnig ist der Roman nun auf Deutsch zu entdecken, in dunkler Schönheit und mit all seinen bis heute nicht beantworteten existenziellen Fragen.

Harry MartinsonCover Martinson
Reisen ohne Ziel
OT: Resor utan mål, Kap Farväl!, 1932, 1933
Aus dem Schwedischen von Verner Arpe und Klaus-Jürgen Liedtke
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Klaus-Jürgen Liedtke
407 Seiten, € 23 [D] | € 23,60 [A]
Gebunden, fadengeheftet und mit Lesebändchen
ISBN 978-3-945370-11-7

Harry Martinson (1904–1978) machte sich im Alter von 16 Jahren als Matrose auf die Reise und fuhr für sieben Jahre zur See. Nach Schweden zurückgekehrt, veröffentlichte er zwei Gedichtbände und schließlich, literarisch verarbeitet, seine Erlebnisse auf dem Meer: »Reisen ohne Ziel« und »Cape Farewell!« Beide Bände sind in diesem Buch zusammengefasst. Es sind scheinbar flüchtig hingeworfene Skizzen, Reisefeuilletons, kurze Erzählungen, die spielerisch die Grenze zwischen Biografie und Fiktion auflösen. Begeisterung und Entdeckerlust prägen die Texte, in denen die Reise gefeiert wird, die zu entdeckende Fremde, das Unterwegssein, ohne Standesgrenzen und ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Konventionen.

Ob Trondheim, Rio de Janeiro, Gent, Reykjavík, Montevideo, Santa Fé, der Ärmel- oder der Panamakanal – ob eingeflochtene Gedichte, ethnografische, szenische, dialogische oder klassische Erzählungen und kleine Prosastücke. Der »Weltnomade« Harry Martinson bewegt sich geografisch und literarisch mit solch großer Freiheit und Sicherheit, dass klar ist: Hier zeigt sich ein herausragendes literarisches Talent mit einer eigenen, starken Stimme. Martinson nimmt einerseits das Exotische der Reisen in seine Sprache auf und findet ungewöhnliche Bilder, er beschreibt andererseits nüchtern verzeichnend das Gesehene, verschweigt auch die Mühen der Seefahrt nicht – und verzaubert mit einfallsreicher Erzählkunst den daheimgebliebenen Leser. Es sind nicht nur biografische Splitter von der Seefahrt, nicht nur Beschwörungen des Erlebten. Vielmehr wird die rastlose, vermeintlich ziellose Fahrt zu einer existenziellen Suche, zu einer großen allzumenschlichen Lebensreise.

Honoré de Balzac, Mercadet oder Warten auf Godeau

Der Lektorin war es eine große Freude, auch dieses von Erika Tophoven übersetzte und mit einem Nachwort versehene Buch zu betreuen.

CoverHonoré de Balzac
Mercadet oder Warten auf Godeau
Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Erika Tophoven
Broschur, 128 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-95732-196-1

Kurze Weihnachtspause

weihnachtenDie Lektorin macht über Weihnachten ein paar Tage frei.

Ab dem 2. Januar ist sie wieder regelmäßig an ihrem Schreibtisch anzutreffen.

Sie wünscht allen eine schöne und ruhige Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr. ❄❄❄